Halbleiter: Österreichs Boom-Branche mit vielen Baustellen

Wirtschaft

Es war ein großer Wurf, der Anfang der Woche verkündet wurde. 1,1 Milliarden Euro will der deutsche Halbleiterkonzern Infineon in die Fertigung energieeffizienter Chips in Villach stecken. 319 Millionen Euro dafür kommen von der Regierung.227 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr für eine Fertigungsanlage von ams Osram im steirischen Premstätten bewilligt. Die Mittel sind durch das EU-Chipgesetz (EU Chips Act) für die Branche reserviert und sollen helfen, die Produktion hierzulande anzukurbeln.

„Input-Output-Problem“

Denn in Österreich ist zwar die Forschung in dem Bereich im internationalen Spitzenfeld, die Großfertigung findet aber meist anderswo statt. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sprach vergangene Woche bei einem Runden Tisch der Austrian Business Agency (ABA) zu der Branche von einem „Input-Output-Problem“. Forschungsausgaben von 3,5 Prozent des BIP in Österreich stehen vergleichsweise geringe Produktionsmengen gegenüber.

Dem Problem nimmt sich auch die Industriestrategie an. 80 Millionen Euro aus den für Schlüsseltechnologien reservierten Mitteln sollen in Pilotanlagen für die Chipproduktion fließen. Solche Anlagen gelten als wichtiger Schritt, um die Lücke zwischen Forschung und Serienproduktion zu schließen.

„Rahmenbedingungen müssen stimmen“

Wenn es gelinge, die Forschung in die Produktion zu übersetzen und das aus Österreich heraus oder mit europäischen Partnern zu machen, entstehe schlussendlich Wertschöpfung, sagte Infineon-Austria-Chefin Sabine Herlitschka. Dafür müssten auch die Rahmenbedingungen stimmen: „Nur besser zu sein, reicht nicht mehr“, sagt Herlitschka. Heimische Halbleiterfirmen sieht sie, wie andere Branchenvertreter auch, durch hohe Energie-, Arbeits- und Bürokratiekosten belastet.

Der Absatzmarkt müsse am Ende auch honorieren, dass es mehr koste, in Österreich zu produzieren, sagt AT&S-Strategiechef Jan Preibisch. Die Realität sei aber, dass die meisten Kunden aus den USA kommen. AT&S fertigt in Leoben seit etwas mehr als einem Jahr IC-Substrate, präzise, miniaturisierte Trägerplatten, die Mikrochips mit Strom und Daten verbinden. Vor allem für Forschung, europäische Kunden und kleinere Serien. Die Großserienfertigung erfolgt wie bei vielen anderen Unternehmen auch in Asien.

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Fachkräfte gesucht

Sorgen bereitet der Branche auch der Fachkräftemangel. „Wenn ich ein Team von 100 Leuten aufstellen muss, hab ich ein Problem“, sagt Wolfgang Steinbauer, Technikchef beim Halbleiterkonzern NXP in Österreich. Bei Lam Research profitiere man aktuell noch davon, „dass nicht alle Industrien nach oben gehen“, sagt Herbert Schöffmann von dem US-Konzern, der in Salzburg vor Kurzem ein Chip-Kompetenzzentrum eröffnete. Abhilfe sollen u. a. neue Lehrberufe und Aus- und Weiterbildungsinitiativen schaffen.

„Letztlich geht es ums Know-how“, sagte ABA-Geschäftsführer René Tritscher: „Wenn wir die Fachkräfte nicht haben, wird die Branche in Österreich nicht weiter investieren.“

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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