James Talarico: An ihn glauben nicht nur die Demokraten

Politik

Die Ärmel hat er aufgekrempelt, die Stimme ist tief und beruhigend, nur das mit dem bübischen Grinsen funktioniert noch nicht. „In Sachen Coolness muss James noch an sich arbeiten“, sagt Miranda, ihre Sitznachbarin lacht. „Das Niveau von Barack Obama ist auch echt schwer erreichbar.“

James Talarico hat gerade seinen großen Auftritt auf CNN, die Sendung läuft in jedem Lokal in Texas, er spricht dort erstmals landesweit, ist glattrasiert und trägt sein immer gleiches weißes Hemd. Hier im Hotel Vegas in der Hauptstadt Austin, einer abgerockten Bar in der 6th Street, schauen gut 100 Fans zu, wie sich der Demokrat so macht, der gerade in den ganzen USA als der „nächste Obama“ gehandelt wird: Was er gegen die hohen Preise machen will, wenn er in den Senat gewählt wird? Wie er es mit Öl und Gas hält? Und wie er als Christ für Abtreibung sein kann?

Wandelndes Paradoxon

Als Demokrat in Texas ist man wandelndes Paradoxon. In einem Staat, der knapp die Hälfte des amerikanischen Öls fördert und in dem jeder Vierte in evangelikale Kirchen geht, in dem in den Volksschulen dank MAGA-Gesetzen Bibelgeschichten als historische Fakten gelehrt werden dürfen, muss man sich als Liberaler erstmal Gehör verschaffen. Hier in Austin, seiner traditionell demokratischen Heimatstadt, hat der 37-Jährige es vergleichsweise leicht: Talarico wuchs nicht weit von hier in East Austin auf, nachdem seine Mutter mit ihm als Baby vor seinem Vater geflohen war, einem gewalttätigen Trinker.

Die Geschichte erzählt er oft, auch heute auf CNN, ebenso wie die von seinem liebevollen Adoptivvater, der ihn eine liebevolle Männlichkeit gelehrt habe, das Gegenteil des Trump-Machogehabes. Und er spricht gern von seinem Großvater, einem Pfarrer, der ihm den Weg zu Gott geebnet habe: Talarico, der lange als Mittelschullehrer gearbeitet hat, macht neben seiner Politkarriere eine Ausbildung zum Priester.

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Glaube, Liebe, Hoffnung

Talarico hat tatsächlich etwas von Obama, er ist ruhig, er vermittelt immer etwas Positives. Wo bei Obama das Wort „Hoffnung“ stand, steht bei ihm „Liebe“, und das meint er im biblischen Sinn. „Wenn es heißt ,Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst, dann gilt das nicht nur den Nächsten, der so aussieht und so denkt wie man selbst. Ich bin so müde davon, gegen meine Nächsten aufgehetzt zu werden“, sagt er, ein Denkzettel für die Republikaner.

Talarico predigt das auch auf Social Media, die Regeln dort beherrscht er dank seines Alters und guter Berater perfekt. Mit seinem glaubhaften Christseins beeindruckt auch immer mehr republikanische Wähler, die von der radikalen Linie der Partei in Texas enttäuscht sind. „Dass ein Demokrat sich so energisch auf christliche Theologie und Rhetorik beruft, ist ungewöhnlich“, so James Henson von der Uni Texas in Austin. Teil seines Erfolges sei auch, dass er bewusst in die Sphäre des Gegners eindringt:

Er trat im extrem reichweitenstarken Podcast von Joe Rogan auf, der Trump zu seiner zweiten Wahl verholfen hat. Die Talarico-Wahlempfehlung des einstigen MAGA-Verfechters hat wohl nochmals mehr verprellte Konservative angezogen – vor ein paar Tagen gab Neil Bush, Bruder von Ex-Präsident George W. Bush, seine Unterstützung für den Demokraten bekannt.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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