Industriejobs: Bis 2030 fehlen 63.000 technische Fachkräfte

Politik

Eigentlich sind es super Nachrichten, die aus der Industriellenvereinigung kommen. Es gibt sehr viele sichere und gut bezahlte Jobangebote, auch wenn diese sehr spezifisch sind und eine gute Ausbildung voraussetzen.

Das Problem dabei: Die Jobs sind vorhanden, nur gibt es viel zu wenig Bewerber. Unbesetzte Stellen treffen aber nicht nur die Betriebe. Das Wirtschaftswachstum leidet, und es fließen weniger Steuern sowie Abgaben.

Das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) nennt den Mangel eine „massive Wachstumsbremse“ und warnt vor Abwanderung von Betrieben und Wohlstandsverlust. Das Institut hatte schon vor Jahren im Auftrag mehrerer Fachverbände hochgerechnet, wie das konkret für Elektro-, Metall- und IT-Branche aussieht: Heute fehlten bis zu 40.400 technische Fachkräfte, 2030 bis zu 63.400. Neu ist das Problem nicht: Laut Industrievertretern melden seit 15 Jahren annähernd gleich viele Leitbetriebe Personalprobleme.

Gegensteuern

Vergangene Woche legten IV und TU Austria – der 2010 gegründete Dachverband der drei österreichischen technischen Universitäten Wien, Graz und Montanuni Leoben als auch die BOKU sowie technische Fakultäten in Linz und Innsbruck – Vorschläge vor. Sie fordern frühe und bessere Studienberatung, MINT-Praxistage (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in den Betrieben, mehr Industriepraktika und eine höhere Mindeststudienleistung. Denn derzeit würden nur 64 Prozent dieser Studien „prüfungsaktiv“ betrieben, die Abbruchquote in technischen Studien liege bei rund 52 Prozent.

Doch auch deren Möglichkeiten sind begrenzt: An den genannten Hochschulen studieren mehr als 65.000 Menschen, pro Jahr schließen rund 8.100 ihre Ausbildung ab. Österreichweit gibt es etwa 26.000 MINT-Graduierte jährlich, rund 8.500 davon von den Höheren Technischen Lehranstalten (HTL). Die Regierung will die Zahl der MINT-Graduierten um 20 Prozent steigern.

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Auch ausländische Fachkräfte helfen nur wenig: Ein Viertel der Studierenden in Österreich kommt aus dem Ausland, die Arbeitsgenehmigungen sind aber ein Problem: „Wer hier ausgebildet wird, soll hier auch arbeiten und Wertschöpfung schaffen können“, verlangt IV-Präsident Georg Knill Änderungen. Verlässliche Daten zu ausländischen Studierenden fehlen. Immerhin gaben in einer Auswertung der Studierenden-Sozialerhebung 2023 rund 37 Prozent der internationalen Studierenden an, in Österreich bleiben zu wollen.

Kritisiert wird zudem die Möglichkeit einer Arbeitserlaubnis über die Rot-Weiß-Rot-Karte (kriterienbasierte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis): Die IV kritisiert hohe bürokratische Hürden, etwa Urkunden, die Behörden digital vorgelegt werden müssen, die Pflicht zur Übersetzung englischer Dokumente und die Mindestarbeitszeit von 30 Wochenstunden. Die Kritik betrifft auch nötiges Mindestgehalt und Sprachkenntnisse.

Industriestrategie 2035

Immerhin: Die im Jänner 2026 beschlossene Industriestrategie 2035 der Regierung verspreche Erleichterungen, für die Industrie sei das zum Beispiel der für 2035 angekündigte „Dachfonds für Start-ups und Scale-ups“, also für Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell starten oder ausbauen wollen.

„Im globalen Wettlauf um Schlüsseltechnologien müssen wir unsere Potenziale voll ausschöpfen“, betonte Knill. Dass Österreichs Unternehmen exzellente Forschungspartner daheim an Hochschulen finden, sei eine Stärke, die ausgebaut werden müsse, indem Universitäten und Industrie noch enger zusammenarbeiten. „Nur so kann Österreich in den Schlüsseltechnologien eine führende Rolle einnehmen und die Industrie weiterhin die Basis für unseren Wohlstand schaffen“, so Knill.

Im weltweiten Vergleich wirken die österreichischen Zahlen freilich klein, auch wenn die Datenlage schwach ist. China dürfte pro Jahr rund 4,5 Millionen Absolventen in MINT-Studien haben, Indien bis zu 2,7 Millionen: China bildet vor allem in Ingenieurwissenschaften, Elektrotechnik, Materialwissenschaften und Chemie aus, neu ist ein Fokus auf …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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