Benko-Film: „Warum kam man ausgerechnet auf mich?“

Kultur

Ein Film über den gefallenen Milliardenjongleur René Benko, der in Deutschland und Österreich gleichermaßen dem Phänomen gerecht wird – das ist keine leichte Aufgabenstellung, nicht zuletzt, wenn man die zahlreichen offenen Fäden des Wirtschaftskrimis betrachtet und die juristische Aufarbeitung noch in der ersten Phase steckt.

Auf in diesen Breiten ungewöhnliche Geheimhaltung setzen daher ORF, ARD und SRF. Aus Sorge, dass eine einstweilige Verfügung die Ausstrahlung blockieren könnte oder der Film vorab im Netz kursiert, wurde er nur einem ausgewählten Journalistenkreis auf dem Küniglberg gezeigt. Es wurden keine Vorab-Links verschickt; die Veröffentlichung ist mit den Partnersendern abgestimmt. Die Vorsicht bedeute nicht, dass man nicht hinter dem Film stehe, sagte ORF-Film- und Serienchefin Andrea Bogad-Radatz beim Gespräch im ORF-Zentrum. Man habe aber verhindern wollen, dass vor der Ausstrahlung alles zum Stillstand komme.

Was im Vorfeld für das größte Aufsehen gesorgt hatte, war die Besetzung der Rolle René Benko. Dass ausgerechnet Thomas Stipsits ihn spielen sollte, überraschte den Schauspieler und Kabarettisten selbst. „Ich dachte am Anfang, ehrlich gesagt: Es muss jemand ausgefallen sein. Warum kommt man ausgerechnet auf mich?“, erzählt er lachend.

Kein Lookalike

Äußerlich ähnelt der Kabarettist dem Tiroler Immobilienunternehmer kaum. Für Regisseur Raymond Ley war das kein Hindernis: Gesucht wurde kein Lookalike, sondern jemand, der die Widersprüche dieser Figur sichtbar macht. „Man hat einen Charakter mit einer gewissen Sympathie gesucht, dass man mit der Figur mitgeht“, sagt Stipsits. Mehr als eineinhalb Jahre hätten Ley und sein Team recherchiert und gecastet. Stipsits, der sich selbst intensiv eingelesen hat, meint, dass Benko einen „unfassbar großen Charme“ besessen haben muss. „Die Leute haben sich bei ihm sicher gefühlt.“ Er habe ihnen das Gefühl gegeben: „Du bist der Einzige.“ Es gehe nicht darum, einen Bösewicht mit einem Bösewicht zu besetzen, sondern den Mechanismus dahinter zu verstehen. Wie konnte Benko selbst abgebrühte Investoren für sich gewinnen? „Da musst du jemand sein, der nicht nur das Hirn der Menschen erwischt, sondern auch das Herz.“

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Stipsits hatte bei der Gestaltung große Freiheiten. Als er Ley sagte, dass er Benko überhaupt nicht ähnlich sehe, sei das dem Regisseur „völlig egal“ gewesen. Bei der Erarbeitung der Rolle konzentrierte er sich auf die Sprache. Weil es wenig Interviewmaterial mit Benko gebe, übte Stipsits zu Hause dessen Sprechweise. „Ich bin den Leuten schon ein bisschen auf die Nerven gegangen. Die haben schon geglaubt, sie müssen was investieren“, scherzt er. Auch das Tirolerische, das Stipsits in seinen Komödien und Kabarettprogrammen gerne übertreibend einsetzt („Hafelekkchar!“) galt es zu dosieren. Der Dialekt könne aber bei Finanzierungsverhandlungen auch sympathisch wirken und ein Verbrüderungsgefühl schaffen.

Bei seiner Annäherung wollte Stipsits Benko weder entschuldigen noch verurteilen. Die Herkunft aus vermeintlich einfachen Verhältnissen und ein kompliziertes Verhältnis zum Vater könnten den Hang zum Protz erklären: „Immer eine Spur zu viel Marmor, damit man sieht,: Das ist wahnsinnig teuer.“ Mit dieser Lesart strebe man „keine Reinwaschung“ an. Der Film frage vielmehr, woher der Antrieb einer solchen Figur komme. Benko habe Menschen gut lesen können und gewusst, was sie hören wollten. Wie viel davon Kalkül war, könne er nicht beurteilen.

Kein Mitleid

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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