Kampf gegen Tabaklobby: 11-Jährige schreibt an den König

Politik

Grace liebt das Fußballspielen. Fast jedes Wochenende verbringt die Elfjährige in Cheshire am Fußballplatz. Doch weil Grace Asthma hat, muss sie besonders beim Sport auf ihre Atemwege achten – und so bereiten ihr manche Zaungäste Sorgen: Bei jedem Spiel, erzählte sie der BBC, gebe es mindestens eine Person am Spielfeldrand, die rauchen würde. „Mir tut es dann in der Brust weh. Das macht das Spielen schwerer. Und wenn ich nicht spielen kann, muss ich pausieren.“ 

Doch Grace will ihre Lieblingsbeschäftigung nicht aufgeben. Und so hat sie nun sowohl dem König als auch dem Premierminister des Landes Briefe geschrieben – mit der Bitte, das Rauchen am Spielfeldrand zu verbieten. 

Tatsächlich sind in Großbritannien neue Raucherregelungen in Kraft getreten – wenn auch nicht am Spielfeld. Seit dem 29. Oktober ist es für über 18-Jährige strafbar, Nikotin- und Vaping-Produkte (auch nikotinfreie Vapes) an unter 18-Jährige weiterzugeben. Bei Zuwiderhandlung drohen umgerechnet 200 Euro Strafe; bei einer Verurteilung bis zu 3.000 Euro. 

Die Maßnahme soll helfen, Kinder vom Dampfen wegzubringen. Laut Schätzungen des britischen Gesundheitsministeriums haben mehr als eine Million britische Kinder das Vapen ausprobiert; mehr als 370.000 vapen regelmäßig. 

Rauchverbot auf Lebenszeit

In zwei Monaten folgt dann eine Verschärfung: Ab 1. Jänner 2027 wird der Verkauf jeglicher Tabak- und Zigarettenprodukte an all nach dem 1. Jänner 2009 Geborenen verboten. Das Verbot verschiebt sich dann lebenslang mit dieser Generation: Wer kommendes Jahr 18 Jahre oder jünger ist, wird im Vereinigten Königreich nie legal Zigaretten erwerben können. 

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Die Novelle wurde im April von der britischen Labour-Regierung beschlossen, geht aber auf einen Vorschlag des konservativen Premierministers Rishi Sunak von vor drei Jahren zurück. Dieser wiederum war von Neuseeland inspiriert worden. 

Die damalige Labour-Premierministerin Jacinda Ardern hatte 2022 ein ähnliches Verbot vorgestellt, ein Jahr später ruderte der neue Premierminister, Chris Luxon von der rechtsgerichteten National Party, dort jedoch wieder zurück. Am britischen Gesetz hat das nichts geändert. 

Anstieg der Cigfluencer

Doch obwohl die Zahl der Raucher in Großbritannien seit Jahren zurückgeht, ist auf Social Media ein kurioser Gegentrend zu beobachten – die zunehmende Präsenz der „Cigfluencer“, Stars, die sich bewusst mit Zigarette zeigen. Die britische Sängerin Dua Lipa postet in letzter Zeit vermehrt Fotos mit Zigarette auf Social Media, der irische Schauspieler Paul Mescal wird regelmäßig bei Rauchpausen festgehalten. 

Und die britische Singer-Songwriterin Charli XCX wurde im August mit Zigarette im Mund auf dem Cover des Rolling Stone abgebildet. Doch Stars rauchen nicht nur in ihrer Freizeit wieder öffentlich. Eine Analyse der Truth Initiative mit der University of Chicago ergab, dass 80 Prozent der diesjährigen Best-Picture-Oscar-Nominierungen Menschen beim Rauchen zeigen. 

Es sind Bilder, die der Tabakindustrie in die Karten spielen. Wie gravierend die Auswirkungen sind, wird sich zeigen. Die australische Universitätsprofessorin Carmen C.W. Lim sieht darin „eine erhebliche Herausforderung“ für die Tabakkontrolle.

Die elfjährige Grace gibt unterdessen die Hoffnung nicht auf, dass das Sportplatz-Rauchverbot im Freien nicht doch auch kommt. „Warum“, meint sie zur BBC noch, „sollten wir nicht das Recht haben, zu tun, was uns Spaß macht, ohne dabei Rauch einzuatmen?“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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