CV-Vorsitzender: „Wertkonservativ, aber keinesfalls rechts“

Politik

Weniger geheimnisvoll als die Freimaurer: Ein Blick hinter die Kulisse des Cartellverbands.

KURIER: Sie sind als Vorsitzender der Verbandsführung sozusagen „oberster CVer“. Was für eine Bedeutung haben Kappe und Band, die Sie mitgenommen haben?

Andreas Zakostelsky:Das sind alte studentische Symbole, die es seit dem 18. Jahrhundert gibt. Das trugen damals alle Studenten. Wir halten diese Tradition hoch.

Was auch die schlagenden Burschenschafter tun. Werden Sie oft verwechselt?

Natürlich. Mit denen haben wir aber genau nichts zu tun.

Wie mächtig ist der CV?

Es geht uns nicht um Macht. Wir wollen uns für die Heimat engagieren. Wesentliches Fundament ist der katholische Glaube – da sind wir als Christen alle aufgerufen, Salz in der Erde, also in der Gesellschaft zu sein. Wir wollen uns daher auch verstärkt mit Vorschlägen einbringen und sie allen Parteien präsentieren. In einer polarisierten Welt braucht es Stimmen der Zivilgesellschaft, die sachorientierte Vorschläge auf den Tisch legen.

Über die Freimaurer wird derzeit viel gesprochen, über den CV kaum, obwohl es viele mächtige und bekannte CVer gibt: Kanzler, Wirtschaftsminister, OÖ-Landeshauptmann und selbst Nobelpreisträger Anton Zeilinger.

Den Cartellverband gibt es seit 150 Jahren, und er hat immer Ideen eingebracht, um die Gesellschaft zu gestalten. Zwei Beispiele, die mich geprägt haben: der einstige steirische Kulturlandesrat Hanns Koren, damals Mitglied in meiner Verbindung. Er war in seinen Fundamenten absolut katholisch, aber immer offen für Neues: Genau das bedeutet für mich übrigens, katholisch zu sein. Koren hat zum Beispiel den Steirischen Herbst gegründet. Stark beeinflusst hat mich auch Alois Mock: Er war ein christlich-sozialer Politiker, der die Vision eines geeinten friedlichen Europas hatte und dafür die eigene Person hintangestellt hat.

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Gibt es jetzt nicht einen Relevanzverlust der katholischen Kirche, der Christdemokraten und letztlich auch des Cartellverbands?

Es stimmt, dass weniger Menschen in eine Kirche gehen und sich zur katholischen oder evangelischen Glaubensgemeinschaft bekennen. Dennoch steckt sehr viel Kraft drinnen. Unterschätzt wird auch die katholische Soziallehre, die wir unseren Jungen im CV zu zeigen versuchen. Papst Franziskus hat sich zum Beispiel mit Nachhaltigkeit beschäftigt – lange vor Klimaklebern und Fridays for Future. Oder betrachten Sie Papst Leo, der Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt.

Ist der CV noch ein schwarzes Netzwerk? Sie selbst saßen ja lange für die ÖVP im Nationalrat, waren auch Budgetsprecher.

Es gibt nicht nur ÖVP-Politiker, die CVer sind.

Es gibt Gerüchte, dass auch der CV nach rechts rückt, weil man mit der ÖVP-Politik so unzufrieden ist.

Das sehe ich nicht. Wir sind wertkonservativ, aber keinesfalls rechts.

Warum haben Sie sich kürzlich als CV-Chef gegen liberalere Ladenöffnungszeiten ausgesprochen?

Auch dazu gibt es eine päpstliche Enzyklika: „Caritas in veritate“. Darin wird die Wichtigkeit der Wirtschaft angeführt – und ich stehe wirklich dafür –, aber immer in dem Sinne, dass die Wirtschaft dem Menschen dienen muss. Der freie Sonntag bietet den Menschen die Möglichkeit zum Familien- und Vereinsleben sowie zum Gottesdienst.

Das Katholische ist Ihnen wichtiger als die Wirtschaft?

Ich sehe das nicht als Gegensatz. Ich bin „ökosozial“ geprägt. Der ehemalige ÖVP-Chef Josef Riegler, auch ein Steirer, hat in den Achtzigerjahren die ökosoziale Marktwirtschaft erfunden, die später unter Schwarz-Grün versucht wurde. Einiges ist gelungen, wie das Klimaticket.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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