
Jahr für Jahr wird gefragt, was die Generation Z eigentlich will. Mehr Geld? Mehr Freizeit? Work-Life-Balance? Vier-Tage-Woche? Will sie überhaupt arbeiten? Angesichts der internationalen Protestwellen rücken ihre Forderungen besonders in den Fokus. Etwa in Frankreich, wo junge Menschen wegen mangelnder Jobperspektiven und steigender Lebenshaltungskosten auf die Straße gehen und bessere Schulbedingungen fordern.
Diese Unzufriedenheit spiegelt sich auch in Studien wider. Und mit ihr der Wunsch nach mehr Sicherheit – auch in der Arbeitswelt. Was junge Talente von Arbeitgebern erwarten und wie Unternehmen sie halten können, zeigt eine aktuelle Studie. Darin rückt vor allem ein Begriff in den Vordergrund: Wertschätzung.
Geld allein reicht nicht
Mehr als ein hohes Gehalt oder eine gute Work-Life-Balance wünschen sich die befragten jungen Fachkräfte ein gutes Arbeitsklima (90 Prozent) und eine wertschätzende Führungskraft (71 Prozent). Das zeigt die „Generation Z Top Talente: DACH-Studie 2026“. Die Schweizer Beratungsagentur Kitoko People befragte gemeinsam mit SkillsAustria, WorldSkills Germany und SwissSkills insgesamt 2.065 Personen, davon 1.436 aus dem DACH-Raum.
Haupttreiber für einen Jobwechsel sind neben fehlender Wertschätzung (95 Prozent) auch die Suche nach einem besseren Arbeitsklima (94 Prozent), Unzufriedenheit mit Vorgesetzten (90 Prozent), fehlende Karriere- und Aufstiegschancen (83 Prozent), mehr Gehalt (72 Prozent) und mehr Flexibilität (70 Prozent). Auf Platz 13 von 14 stehen fehlende Nachhaltigkeit und mangelndes soziales Engagement seitens der Arbeitgeber (39 Prozent).
Für 92 Prozent der jungen österreichischen Top-Fachkräfte stehen Arbeitsklima, Team und Kollegen bei der Arbeitgeberwahl an erster Stelle. Es folgen eine sinnvolle Arbeit, Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie ein sicherer Arbeitsplatz.
Was die Jugend braucht
„Wir befinden uns in einem massiven Shift (Veränderung, Anm.)“, erklärt Ali Mahlodji, EU-Jugendbotschafter und CEO des futureOne Ownership Institute for Human Development. Wie junge Menschen mit diesem Wandel umgehen, hänge stark von ihrem Umfeld ab. Denn neben dem zunehmenden Druck von allen Seiten bekämen sie auch die Ängste der Erwachsenen zu spüren. Umso wichtiger seien echte Vorbilder. „Keine Influencer, sondern Erwachsene, die ihnen vorleben, wie das echte Leben aussieht.“
Das hätten mittlerweile auch Arbeitgeber erkannt, berichtet Mahlodji. „Früher hat man sich als Arbeitgeber Studien angeschaut, herausgefunden, was die Jugend will – und es dabei belassen.“ Heute gehe es zunehmend darum, junge Menschen dabei zu unterstützen, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden.
Was die Jugend seiner Erfahrung nach wirklich will? „Dass man sie herausfordert, wahrnimmt und wertschätzt.“ Gerade an Letzterem mangle es generell in der Arbeitswelt. „Ich höre immer wieder von Arbeitgebern, dass sie ihre Leute verlieren, dass Mitarbeiter leger ausgedrückt keinen Bock mehr haben. Und das hängt damit zusammen.“
Bei Wertschätzung gehe es nicht um bloßes Lob oder eine „Art Kuscheleinheit“, sondern darum, Menschen ernst zu nehmen und ihren Wert auch unabhängig von ihrer Leistung anzuerkennen. Genau hier sieht Mahlodji die Unternehmen in der Pflicht. „Ein Vorstand eines großen Industriekonzerns meinte neulich zu seinen Lehrlingen: Wir haben die Lebenserfahrung, aber ihr seid diejenigen, die uns herausfordern müssen, ihr dürft ungeduldig sein und einfordern.“
Auch Ali Mahlodjis Appell an die Jugend lautet: „Wenn man leise ist, hört keiner zu. Deswegen: Seid Jugendliche, seid laut, sagt, was euch wichtig ist – aber habt nicht den Anspruch immer recht zu haben.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



