Mozarts unvollendete Messe – und ein Meister der Vollendung

Kultur

von Susanne Zobl

Jene Momente, in denen einen die Musik zutiefst erschüttert und einige Takte später umarmt, gehören zum Kostbarsten, das man in einem Konzert erfahren kann. Der Dirigent Raphaël Pichon macht solche Erfahrungen mit seinem noch als Musikstudent vor 20 Jahren gegründeten Ensemble Pygmalion aus Chor und Orchester immer wieder möglich. 

Das jüngste Beispiel gab der Franzose im Konzerthaus mit Mozarts Messe in c-Moll, KV 427. Aus dieser unvollendeten „Missa solemnis“ generierte er ein musikalisches Drama, in dem er die menschliche Sehnsucht nach Gott mit einer Reise durch die historische Vielfalt der Polyphonie verschmolz. 

Das geschah auch aus pragmatischen Gründen, denn Mozarts fragmentarisch gebliebene Messe wäre viel zu kurz für einen Konzertabend. Beim A-cappella-Auftakt,  Anton Bruckners Motette „Christus factus est“, mischten sich die furiosen Chorstimmen in einzigartiger Ausgewogenheit. Nahtlos fügte sich das „Miserere“ von Felix Mendelssohn Bartholdy an. Ein wahrhaftiges Erflehen von Gottes Erbarmen wurde da spürbar. 

Der Klang der historischen Instrumente umspülte die Stimmen wie eine wärmende Quelle. Plötzlich erhob sich danach eine betörende Sopranstimme vom Balkon. Sabine Devieilhe intonierte mit kristalliner Klarheit betörend Franz Schuberts „Lacrimosa“, in das die Choristinnen vom Konzertpodium einstimmten. In einem Moment war es, als würde sich Devieilhes Sopran wie ein Lichtstrahl über deren Stimmen legen. 

Bruckners „Ave Maria“ interpretierte Pichon wie ein echtes Gebet. Mendelssohns „Da nobis pacem“ führte zu Mozarts Messe in c-Moll. Wie nach dem Goldenen Schnitt balancierte Pichon sublim den Klang zwischen Chor, Orchester und Solisten aus, rückte manche Passagen an Bach, manche an Händel heran. 

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Pichon, der Nikolaus Harnoncourts Arbeit studierte, demonstrierte, dass diese weit über historische Aufführungspraxis hinausgeht. Fulminant auch das Solisten-Ensemble, neben Sabine Devieilhe, Sabine de Sansal, Kieran Carrel (ein idealer Mozart-Tenor) und Christian Immler. Die Ovationen wollten nicht enden.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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