Bäcker Martin Auer: „Der Hype war unverhältnismäßig“

Wirtschaft

Zum Nachschlichten kommen die Mitarbeiter an diesem Freitag Vormittag kaum. Es ist elf Uhr, Martin Auers Bäckerei in der Wiener Plankengasse ist gut besucht – von Stammkunden und Touristen, die sich vor der Türe austauschen, dass es hier das gehypte New Yorker 60-Dollar-Brot günstig zu kaufen gibt.

Der Chef des Hauses ist erst am Vortag aus der Metropole eingeflogen. Aktuell pendelt er tageweise zwischen Graz, Wien, New York und ab und zu Kärnten. „Der größte Beitrag, den ich leisten kann, ist, mich mit meinem Team auszutauschen“, sagt Martin Auer im KURIER Interview. Wie er den globalen Hype um sein Roggenbrot „Rye“ erlebt und wie sich dadurch das Business in Österreich verändert hat.

KURIER: Wer passt jetzt gerade auf die Filiale in New York auf?

Martin Auer: Mein Sohn ist dort, er ist das Gesicht des Standorts. Aber ich will dem restlichen Team nicht unrecht tun. Irgendwer ist immer in der Auslage, in Österreich bin das ich. Es würde mir leidtun, wenn man vergisst, wie viele tolle Leute mitarbeiten.

Wie blicken Sie, zwei Monate nach Eröffnung in New York, auf den Hype?

Der war aus meiner Sicht unverhältnismäßig. Wir freuen uns natürlich über schönes Feedback, ob von der New York Times, der New York Post oder den massenhaft Influencern. Die, die das neutral angegangen sind, haben gesagt: „Das ist schon pricey (teuer, Anm.), aber es ist wirklich gut.“ Dass es Leute gibt, die das überhaupt nicht verstehen können, war auch klar.

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Es ist immer die Frage, was einem ein Produkt wert ist.

Jeder kann es sich aussuchen, wir haben ja kein Monopol. Deshalb appelliere ich an unsere Storyteller (so nennt Auer die Verkäufer, Anm.): Verkauft kein Brot, ohne dass es die Kunden vorher gekostet haben. Ich will nicht, dass es jemand um diesen Preis kauft und sich dann denkt: „Na ja.“ Es wäre naiv zu glauben, dass wir die Essgewohnheiten der Amerikaner ändern können oder dass es jedem schmecken muss. Aber wir wollen die begeistern, die für das Besondere empfänglich sind.

Wäre Ihnen rückblickend weniger Medienrummel lieber gewesen?

Wir haben etwas Ähnliches 2016 erlebt. Damals haben wir das erste Geschäft in Österreich aufgesperrt, das nur bargeldlos war.

Ein Affront.

Das war ein Riesenskandal! Wir haben teilweise ganz böses Echo bekommen – vor allem aus Deutschland. Jetzt hat es mir leidgetan für unser Team, das so für die Sache brennt und dann auf Social Media teilweise so gehässige Kommentare bekommt. Ich habe zwar nicht unbedingt damit gerechnet, aber vielleicht ist es für mich ein bisschen einfacher, damit umzugehen als unsere jungen Leute, die diese Erfahrung noch nicht gemacht hatten.

Sie ergänzen jetzt das New Yorker Sortiment um das Baby Rye, die Mini-Version Ihres Landbrotes. Braucht es noch mehr Produkte?

Wir denken nicht an mehr. Was wir mit diesem Brot versuchen zu vermitteln, ist seine Güte, seine Vielfalt der möglichen Anwendungen und auf gar keinen Fall Verschwendung, gerade weil es so lange hält. Man kann Croûtons oder Chips daraus machen. Die Spielwiese ist also groß. Aber wenn ich ein Ein- oder Zwei-Personen-Haushalt bin, werde ich mich nicht die nächsten zehn Tage nur von Rye ernähren. Deshalb …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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