
Erst am Sonntag musste die Star-Trek-Community mit Walter Koenig, dem impulsiven sowjetischen Navigator Chekov, einen Verlust hinnehmen. Nur wenige Tage später ist ein Kapitän zu beklagen: Patrick Stewart, berühmt geworden als Captain Jean-Luc Picard in „Star Trek – The Next Generation“, ist am Mittwoch im Alter von 86 Jahren „nach einer kurzen und heftigen Alzheimer-Erkrankung“ gestorben.
Mit dieser Rolle prägte Stewart ein komplett anderes Bild von einem Raumschiffkapitän, als man es von der Originalserie „Raumschiff Enterprise“ mit dem zupackenden James T. Kirk kannte: Picard war ein reflektierter Philosoph, der Earl Grey-Tee trinkt, der britischste Franzose der ganzen Galaxis. Das nahm man Stewart nicht zuletzt deswegen ab, weil die Science-Fiction eher eine abwegige Route in seiner bisherigen Karriere war. Der britische Schauspieler war vorher auf der Bühne zuhause, von 1966 bis 1982 spielte er zahlreiche Shakespeare-Rollen als Mitglied des Kernteams der Royal Shakespeare Company.
Keineswegs ein Kurzjob
Der große Dichter war auch auf der Enterprise an seiner Seite: Immer wieder zitierte Stewart als Captain Picard Shakespeare und zeigte, dass dieser auch im Weltall an wegweisender Allgemeingültigkeit nichts einbüßt. In einem Interview hat er einmal erklärt, dass ihm Shakespeare sogar geholfen hat, sich überhaupt in die erst ungewohnte Rolle eines Kapitäns auf einer Brücke einzufinden: „Ich merkte, dass ich diese Serie so spielen muss, wie wenn ich ‚Henry IV‘ spielen würde. Es geht einfach um tapfere Menschen.“
Obwohl Stewart zu Beginn der Serie 1987 dachte, dass es sich um einen Kurzjob handelt und er seinen Koffer in Hollywood gar nicht erst auspackte, war er letztlich sieben Jahre auf dem TV-Bildschirm, in mehreren Kinofilmen und schließlich vor kurzem in einer Spin-Off-Serie Picard. Es war eine Lebensrolle, oder wie Stewart sagte: „Es war das Größte, was mir passiert ist.“
Noch eine Kultrolle
Selbst einen Schauspielgranden wie Stewart verschonte aber das Schicksal der Star-Trek-Hauptdarsteller nicht: Die massive Bekanntheit dieser einen Rolle limitierte das Angebot für anderes. Stewart gelang es allerdings, noch eine weitere Kultrolle für sich zu beanspruchen: Seit 2000 spielte er in den Comic-Verfilmungen der „X-Men“ den Professor Xavier.
Zur Bühne kehrte Stewart immer wieder zurück. Am Londoner West End brillierte er 2016 mit seinem engen Freund Ian McKellen in Harold Pinters „No Man’s Land“. Jener Ian McKellen übrigens, der ihm einst geraten hatte, seine Bühnenkarriere nicht aufzugeben für „irgendsoeine wilde Jagd im Weltraum“.
Im ersten Covid-Lockdown trug Stewart jeden Tag ein Sonett von Shakespeare in seine Handykamera vor. Auch Nr. 87: „Farewell, thou art too dear for my possessing …“
Source:: Kurier.at – Kultur



