Wie der Spatz die Welt eroberte – und was er über uns erzählt

Kultur

Er stibitzt Brösel im Schanigarten, er bedient sich beim Kuchen auf dem Tisch: Der Haussperling, auch Spatz genannt, hat sich an den Menschen angeschlossen und ist heute in weiten Teilen der Welt verbreitet. Aber wie und warum konnte er sich so erfolgreich ausbreiten?

Evolutionsbiologe Glenn-Peter Sætre verglich zwei Weltkarten miteinander: die der Verbreitung der indoeuropäischen Sprachen und jene des Spatzes. Die Karten waren in vielen Bereichen deckungsgleich. Können die beiden Muster zusammenhängen? Diese Frage ließ den Forscher nicht los. Entstanden ist daraus ein Buch über die Anpassungsfähigkeit des Vogels, die Entwicklung der menschlichen Kultur und Migration. Auch in der Sprache hat der Spatz Spuren hinterlassen: „Lieber ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach.“

Gleichgewicht

Anhand des Spatzes lässt sich zudem die Verletzlichkeit des Ökosystems zeigen. Im Zuge des „Großen Sprungs nach vorne“ befahl Mao, „die vier Plagen“ Feldsperlinge, Ratten, Fliegen und Stechmücken auszurotten. Der Vogel landete auf der Liste, weil er Getreide frisst. Die Rechnung Maos: Mit jeder Million Spatzen, die man tötet, könne man 60.000 Menschen ernähren, weil mehr Reis übrig bleibt. Was er vergaß: Spatzen fressen auch Insekten. Der Eingriff hatte Konsequenzen: Heuschreckenschwärme vernichteten die Ernten. Mao beendete die Tötungen, und Bettwanzen wurden statt des Spatzes zur vierten Plage.

Wenn der Mensch seine Lebensweise verändert, ist der Spatz betroffen. Als Autos Pferde ersetzten, ging sein Bestand zurück: Pferdefutter als Nahrungsquelle fehlte. Und heute? Die Bestände gehen stark zurück. Warum, ist nicht abschließend geklärt. Umweltverschmutzung und Bauweisen sind mögliche Erklärungen.

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Wer sich mit dem Verhältnis von Mensch und Tier auseinandersetzen möchte, ist mit diesem Buch gut beraten. Nach der Lektüre wird man den Spatz im Schanigarten mit anderen Augen sehen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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