Endless Wellness: „Es gibt auch positive Kettenreaktionen“

Kultur

Hier ist es eine elektrische Zahnbürste, die ohne Kopf vibrierend an die Saiten einer Gitarre gehalten wird. Anderswo Papier, das zwischen die Saiten geklemmt einen perkussiven Klang ergibt. Als die Indie-Rockband Endless Wellness ihr eben erschienenes zweites Album „Domino Days“ aufnahm, hat sie sich bewusst Zeit genommen, mit derartigen Ticks zu experimentieren, aber auch mit für Rock-Sounds ungewöhnlichen Instrumenten wie Vibrafon, Harmonium, Mandoline, Violine und Flöte zu musizieren.

„Wir hatten sehr viel Spaß dabei“, erzählt Bassistin, Sängerin und Co-Songwriterin Milena Klien im Interview mit dem KURIER. „Es gibt ja diesen Mythos, dass das zweite Album einer Band das schwierigste ist. Bei uns was das gar nicht so.“ Die Voraussetzungen, die diesen Mythos begründen – ein sehr erfolgreiches Debüt-Album – waren bei Endless Wellness gegeben.

Kein Stress

2024 erreichte die Band mit „Was für ein Glück“ Platz sieben der österreichischen Album-Charts, spiele eine rundum ausverkaufte Tour und war Gast bei den renommiertesten Festivals im In- und Ausland. Sänger, Gitarrist und Songwriter Philipp Auer war der Einzige des Quartetts, der wegen des daraus entstandenen Erwartungsdrucks anfangs gestresst war: Aber: „Adele hat irgendwann gesagt, lass uns einfach Musik machen, so wie wir gerade wollen, so als wäre es gar nicht für Endless Wellness. Das hat gewirkt.“ Adele Ischia, Gitarristin und Violinistin, grinst und fügt hinzu: „Für mich war der Erfolg befreiend. Ich dachte, wir müssen uns nicht mehr beweisen, wir können entspannen und unserer Intuition folgen.“

Texte wie Träume

So haben die drei und ihr Drummer Patrick Huter mit „Domino Days“ ihrem Sound viele neue Facetten hinzugefügt, ohne an Drive und Dringlichkeit zu verlieren. Auch mit der Poesie und der Vieldeutigkeit der Texte schließen Endless Wellness an das Debüt an. „Ich vergleiche das Textschreiben oft mit dem Träumen, weil es dabei viel um Assoziation geht“, erklärt Auer. „Denn wenn ein Song so rauspurzelt, kommt er zwar aus mir, fühlt sich aber trotzdem irgendwie fremd an. Aber das ist ja auch die Magie dran. Meine Songs sind selten eindeutig. Sie sind eher ein Versuch, die Gleichzeitigkeit von vielen Dingen einzufangen. Es gibt selten eine klare, vordefinierte Motivation für einen Song.“

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Die Ausnahme ist dabei „So allein sollen wir nie wieder sein“, mit dem Auer eine „unzynische Utopie für eine positive Zukunft ausrufen“ wollte. Ansonsten sind die Texte mit ihren oft absurden, aber erfrischenden Metaphern deutlich von der Zeitstimmung geprägt. „Wir leben in dieser unsicheren Gegenwart“, sagt Drummer Huter. „Das schlägt sich auf unsere Gefühle nieder und das wieder auf die Musik. Aber Hoffnung, dass es gelingt, gemeinsam daran zu arbeiten, dass die Dinge besser werden, ist immer dabei. Das beginnt vielleicht im Kleinen. Zum Beispiel damit, dass man einander respektiert.“

Die Idee, im Kleinen etwas anzustoßen und damit eine Kettenreaktion auszulösen, steckt auch hinter dem Albumtitel „Domino Days“. „Durch all das, was in der Welt vorgeht, denkt man bei Kettenreaktion heute sofort an etwas Negatives“, erklärt Ischia. „Aber es gab in den letzten fünf oder zehn Jahre immer wieder Streiks und Protestbewegungen, wo man gemerkt hat, da hat jemand Visionen, da eröffnen sich andere Richtungen, in die es auch gehen. Es …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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