Wehrschütz: Russland will die Ukraine „sturmreif schießen“

Politik

Russland setzt seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fort. Am Donnerstag kamen beim Beschuss eines Bahnhofs in Dnipro 14 Menschen ums Leben. Auch Kraftwerke, Umspannwerke und das Schienennetz werden immer wieder angegriffen.

Dahinter steckt laut ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz eine klare Strategie. Russland versucht, die Ukraine durch den Luftkrieg zur Kapitulation zu zwingen. Weil ein entscheidender Durchbruch an der Front ausbleibt, soll das Land in den kommenden Wintermonaten „quasi sturmreif“ geschossen werden, erklärte Wehrschütz am Donnerstagabend in der ZiB 2.

Ein zusätzliches Problem ist die Gewöhnung an die Gefahr. In vielen Teilen der Ukraine gibt es so häufig Fliegeralarm, dass dieser zunehmend ignoriert wird. Gerade bei Angriffen wie jenem auf den Bahnhof in Dnipro kann das tödliche Folgen haben.

Energieversorgung an der Belastungsgrenze

Besonders angespannt ist die Lage bei der Strom- und Wärmeversorgung. Schon die Angriffe des vergangenen Winters haben schwere Schäden hinterlassen. Vieles konnte bis heute nicht vollständig repariert werden.

Die Ukraine versucht, ihre Energieanlagen mit Schutznetzen und Befestigungen zu sichern. Beschädigte Kraftwerke werden immer wieder notdürftig instand gesetzt. Doch die ständigen Angriffe zehren an den Reserven. „Das ist natürlich etwas, was die Ukraine an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit bringt“, sagte Wehrschütz.

Die Auswirkungen zeigen sich auch auf dem Wohnungsmarkt. Immer mehr Menschen verlassen Kiew und ziehen in die weniger stark bombardierte Westukraine. Dort sind die Mieten deutlich gestiegen. Wer bleibt, versucht sich mit Wasservorräten und eigenen Generatoren auf mögliche Ausfälle vorzubereiten.

Europa bei Friedensgesprächen nur „Zaungast“

Zumindest eine kleine Erleichterung gibt es im Süden der Ukraine. In der russisch besetzten Stadt Oleschky hält eine seit Dienstag geltende Waffenruhe bislang. Auch die Evakuierung von Bewohnern hat begonnen.

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Für Wehrschütz ist das allerdings noch kein Hinweis auf eine größere diplomatische Annäherung. Die Waffenruhe müsse isoliert betrachtet werden. Zwar sollen die Verhandlungen in Abu Dhabi fortgesetzt werden, doch wie weit die Gespräche bei den zahlreichen Streitfragen tatsächlich gediehen sind, bleibt unklar.

Besonders deutlich fällt seine Einschätzung zur Rolle Europas aus. Weder ein gemeinsamer Friedensplan noch ein gemeinsamer Unterhändler seien bisher zustande gekommen. „Die Europäer finanzieren den Krieg, sind aber offensichtlich derzeit nach wie vor nur Zaungäste bei Verhandlungen.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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