
Von einer „weißen Flut“ spricht das südamerikanische Wirtschaftsportal Ambito und meint damit die riesige Menge chinesischer E-Autos, die rund um das Hafengelände in Montevideo auf ihren Weitertransport warten.
Mónica Ageitos, die Vorsitzende des Schifffahrtszentrums in der uruguayischen Hauptstadt, stellt nüchtern fest: „Der Auto-Umschlag ist überlastet.“
Die zur Verfügung stehenden Flächen reichten nicht mehr aus. Offenbar rechnen die Verantwortlichen damit, dass die hohe Zahl der importierten Autos aus China auch weiterhin den Hafen vor eine große Herausforderung stellen wird. „In dieser Woche hat die nationale Hafenverwaltung nach Möglichkeiten gesucht, weitere Stellflächen zu erschließen. Derzeit werden einige Hektar hergerichtet, um eine Lösung zu schaffen.“
In ganz Südamerika verkauft
Von Montevideo aus werden die Fahrzeuge weiter nach Paraguay gebracht, von da aus dann in ganz Südamerika verkauft. Wie sehr die chinesischen E-Autos auf den südamerikanischen Markt drängen, macht auch eine weitere Zahl aus der Region deutlich. Wie das brasilianische Wirtschaftsmagazin Valor in dieser Woche berichtet, ist Brasilien erstmals zum weltweit größten Importeur chinesischer Autos geworden.
Das Land kaufte zwischen Januar und Mai Elektro- und konventionelle Fahrzeuge im Wert von 5,2 Milliarden US-Dollar aus China ein. Die Zeitung O Estadao aus Sao Paulo berichtet, das Wachstum von über 146 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2025 sei vor allem durch E-Fahrzeuge vorangetrieben, zu denen batteriebetriebene Elektrofahrzeuge und Hybridfahrzeuge aller Art zählen.
Importe für Milliarden
Der brasilianisch-chinesische Unternehmerrat CEBC beziffert den Wert der von Brasilien importierten chinesischen E-Fahrzeuge auf 4,5 Milliarden US-Dollar.
Zwischen den Jahren 2023 und 2025 wurden allein in Brasilien 16 neue Marken chinesischer Herkunft registriert, berichtete jüngst die Zeitung „Folha“ und sprach gar von einer „chinesischen Invasion“.
Einer Prognose zufolge soll im Jahr 2030 jedes fünfte in Brasilien verkaufte Auto aus chinesischer Produktion stammen. Das Institut Bright Consulting rechnete vor, chinesische Marken hätten im Jahr 2025 bereits rund zehn Prozent des Marktes erobert, zwei Jahre zuvor lag ihr Anteil noch bei 2,3 Prozent.
Brasiliens linksgerichteter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (80) gilt als ein großer Freund Chinas und wirbt für einen Freihandelsvertrag des südamerikanischen Handelsbündnisses Mercosur und dem asiatischen Riesen. „Die Chinesen haben viel in Exportkorridore investiert, sie helfen beim Bau der transozeanischen Autobahn, bei Eisenbahnstrecken und Verbindungen zu den Häfen“, sagt der brasilianische Wirtschaftswissenschaftler Paulo Gala von der „Fundação Getúlio Vargas“ im Gespräch mit dieser Redaktion.
Europäische Verlierer
Deswegen liege der Fokus Pekings auf dem Zugang zu den Rohstoffen einerseits und andererseits darauf, chinesische Industrieprodukte in Brasilien und Lateinamerika zu verkaufen.
„Brasilien gehört zu den zehn größten Verbrauchermärkten der Welt. Daher ist es für China sehr sinnvoll, hier in Brasilien Fuß zu fassen. Die großen Verlierer dieser Geschichte sind die multinationalen europäischen und amerikanischen Automobilhersteller“, sagt Gala.
Source:: Kurier.at – Politik



