
Rhodos, Kreta, Mykonos – alles überaus beliebte Urlaubsziele. Doch auf ankommende Touristen aus Nicht-EU-Staaten wartete eine äußerst unangenehme Überraschung: das neue digitale Verfahren zur Ein- und Ausreise (Entry-Exit-System – EES) von Bürgern aus Drittstaaten. Dabei werden von jedem Passagier vor jedem Grenzübertritt, also jeder Ein- und Ausreise aus der EU, biometrische Merkmale – Fingerabdruck und ein Foto sowie die Passdaten – erfasst. Und das dauert pro Person derzeit länger, als bisher nur den Pass zu zeigen.
Die Folge: Von Wartezeiten von teilweise bis zu fünf Stunden berichtete der europäische Flughafenverband ACI in der Vorwoche. Dadurch verpassten viele Passagiere ihre Anschlussflüge, in den Terminalgebäuden bildeten sich riesige Menschentrauben.
Nicht so in Wien, wo ein Sprecher des Flughafens dem KURIER bestätigt: „Das System läuft weitgehend reibungslos.“ Das Projekt sei zeitgerecht umgesetzt worden. Von stundenlangen Wartezeiten oder empörten Reisenden aus Drittstaaten ist nichts zu hören.
Ganz anders in Griechenland: Dort wurde nun an 14 griechischen Flughäfen die – von Brüssel erlaubte – Notbremse gezogen und das EES vorerst bis Ende August ausgesetzt. Die Aufhebung der Kontrollen gilt allerdings nur für britische Staatsbürger, die bei weitem größte Gruppe an Touristen aus Drittstaaten.
In der prallen Sonne
Alexander Zinell, Geschäftsführer von Fraport Greece, beschwerte sich gegenüber der Financial Times: „Das neue Ein- und Ausreisesystem der EU weist grundlegende Mängel auf, weil es Passagiere zu langwierigen Kontrollen zwingt. Die Schlangen der Wartenden waren manchmal so lang, dass einige sogar in der prallen Sonne auf dem Rollfeld warten mussten.“
An einigen Flughäfen wurden behelfsmäßig Pavillons aufgestellt, um die Wartenden auf dem Rollfeld vor der Sonne zu schützen. Die Flughäfen setzten „Warteschlangenbegleiter“ ein, die gefährdete Personen bevorzugt aus der Schlange holten. Damit soll nun bis Anfang September Schluss sein.
Doch die griechischen Behörden pochen gegenüber der EU-Kommission auf eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigungen. Auch andere EU-Staaten, darunter Frankreich und Deutschland, fordern eine Verlängerung. Davon aber wollte die EU-Kommission bisher nichts wissen.
Das EES werde auch im Herbst noch nicht klaglos funktionieren, befürchtet der Geschäftsführer von Fraport Greece. „Es braucht eine neue Version, ein Update und wahrscheinlich eine Neukonfiguration, damit sich die Leute registrieren können, bevor sie fliegen, bevor sie zum Flughafen fahren“, fordert Zinell. Aber auch an so manchen anderen Grenzübergängen, etwa an der Grenze vom Nicht-EU-Staat Nordmazedonien zu Griechenland, kommt es nun zu noch längeren, stundenlangen Wartezeiten und Staus.
Eine entsprechende App, mit der Reisende ihre Daten und Merkmale schon vorab eingeben könnten, wurde bisher nur von Schweden und Portugal übernommen. Überall anders wurden vor dem eigentlichen Grenzübertritt sogenannte Self-Service-Kioske eingerichtet, an denen sich die Reisenden vorregistrieren müssen. Die dafür nötige Infrastruktur scheint dabei nicht von allen Mitgliedsländern gleichermaßen gut vorbereitet worden zu sein.
Trotz der Kritik hält die Europäische Kommission an ihrer Bewertung fest: Grundsätzlich laufe das System gut. In den meisten EU-Staaten seien die Auswirkungen auf Reisende begrenzt, sagte ein Sprecher in Brüssel. Schon in den ersten Monaten seit der teilweisen Einführung im vergangenen Oktober seien tausende Einreisen verweigert und hunderte Verdächtige identifiziert worden.
Source:: Kurier.at – Politik



