Kahlschlag bei VW: Vier Werke und 90.000 Jobs vor dem Aus

Wirtschaft

Es ist ein außergewöhnlicher Schicksalstag für Deutschlands größten Autobauer. Am Donnerstagnachmittag kommt der Aufsichtsrat von Volkswagen zusammen, um über die Zukunft des Konzerns zu beraten. Dazu wird der Vorstand seine Sparpläne vorlegen. Vor den Werkstoren in Wolfsburg, Emden, Zwickau und allen anderen deutschen Standorten formierte sich zeitgleich der Protest der Belegschaft. Einem Bericht des Spiegel zufolge plant Konzernchef Oliver Blume einen beispiellosen Kahlschlag.

Bis 2034 sollen vier Werke mit 40.000 Beschäftigten geschlossen werden. So soll die Produktion in Zwickau und Emden bereits in fünf Jahren auslaufen. Bis 2032 soll das Nutzfahrzeugwerk in Hannover, wo die Transporter und Multivans produziert werden, folgen, zwei Jahre später das Audi-Werk in Neckarsulm. Zugleich will VW weitere 50.000 Stellen bis 2030 abbauen. Außerdem will Blume laut Spiegel in den nächsten fünf Jahren die Investitionen um 45 Milliarden Euro auf 135 Milliarden Euro eindampfen.

Produktion nach Osteuropa verlagern

Blumes Plan soll vorsehen, die Fertigung der betroffenen Modelle künftig in kostengünstigeren osteuropäischen Werken zu bündeln. So soll in das VW-Werk in Bratislava, Slowakei, und in das Audi-Werk in Györ, Ungarn, weiter investiert werden. Der Standort Bratislava ist das einzige Werk weltweit, in dem Fahrzeuge von den vier Konzernmarken VW, Audi, Porsche und Skoda gebaut werden. Darunter der VW Passat, der Audi Q7, der Porsche Cayenne und der Skoda Superb. Der neue Transporter T7 wird in der Türkei produziert.

Für die von den Schließungen betroffenen deutschen Standorte werden andere Verwendungen gesucht – vom Verkauf an Rüstungsunternehmen bis zur Fertigung von in China entwickelten Autos ist die Rede. Letzteres gilt insbesondere für Zwickau als Option.

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Ausgliederung der Kernmerke?

Um den erwarteten Widerstand des Landes Niedersachsen zu umgehen, das über eine Sperrminorität im Aufsichtsrat verfügt, steht eine brisante Option im Raum: Die Ausgliederung der Kernmarke VW würde das sogenannte VW-Gesetz de facto aushebeln, das dem Land weitreichende Mitspracherechte einräumt.

Dass Blume es ernst meint, zeigen Insider-Informationen: Der Konzernchef soll seine Führungskräfte den Plan vorab haben unterschreiben lassen – eine ungewöhnliche Maßnahme, um die eigenen Reihen zu schließen.

Aufsichtsrat im Patt

Doch eine Zustimmung zu dem Sparpaket gilt als äußerst unsicher. Nach dem Rückzug von Ex-Renk-Chefin Susanne Wiegand herrscht im Kontrollgremium ein Patt. Die Arbeitnehmerseite um IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat die Pläne bereits als „unverantwortliche Drohung“ zurückgewiesen und massiven Widerstand angekündigt.

Auch politisch formiert sich Gegenwehr. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) lehnt Werksschließungen kategorisch ab und fordert stattdessen eine europäische Strategie gegen den Preisdruck aus China. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte zuletzt, die Bundesregierung arbeite an besseren Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.

Lage verschärft sich dramatisch

VW hatte bereits Ende 2024 den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland beschlossen und das Ende der Autofertigung in Osnabrück und Dresden besiegelt. Seither hat sich die Lage weiter zugespitzt. Die operative Rendite liegt bei mageren 3,3 Prozent, bis 2030 soll sie sich aber verdreifachen. 

Neben dem Absatzeinbruch in China belasten auch die Zölle von US-Präsident Donald Trump den Konzern – laut Spiegel mit fünf Milliarden Euro pro Jahr.

„Wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen“, teilte ein Unternehmenssprecher im Vorfeld der Sitzung mit. Vorstand und Aufsichtsrat teilten zwar die Sorgen der Beschäftigten, Ziel sei es …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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