Vom „Abschaum“ zur „Liebe“: Trumps erstaunlicher NATO-Auftritt

Politik

Donald Trump hat den NATO-Gipfel in Ankara einmal mehr zu seiner persönlichen Bühne gemacht. Kaum war eine Schlagzeile geschrieben, folgte schon die nächste: Mal drohte der US-Präsident Verbündeten, dann reklamierte er Grönland für die USA, beschimpfte die Führung des Iran, leistete sich mehrere aufsehenerregende Versprecher und beendete den Gipfel schließlich mit einem Satz, den wohl kaum jemand erwartet hatte: „There is a feeling of love in the air“ („Es liegt ein Gefühl von Liebe in der Luft“).

Binnen weniger Stunden entstand so ein Kontrastprogramm, das selbst erfahrene Gipfelbeobachter staunen ließ.

„Vieles wird von Grönland abhängen.“

Zu den weitreichendsten Aussagen Trumps gehörte die Verknüpfung der amerikanischen Militärpräsenz in Europa mit seinen Ansprüchen auf Grönland. Auf die Frage, ob die USA ihre Truppen aus Europa abziehen könnten, antwortete er: „A lot will depend on Greenland“ („Vieles wird von Grönland abhängen“). Die Aussage wurde von zahlreichen NATO-Partnern als politisches Druckmittel verstanden.

„Ich bin nicht glücklich mit der NATO.“

Bereits zuvor hatte Trump seinen Anspruch auf Grönland erneuert. Wörtlich sagte er: „I’m not happy with NATO because of what they did with Greenland“ („Ich bin nicht glücklich mit der NATO wegen dem, was sie mit Grönland gemacht haben“). Er argumentierte, die Insel sei für die Sicherheit der USA und des Westens unverzichtbar. Dänemark wies die Forderung umgehend zurück und betonte erneut, dass Grönland nicht zum Verkauf stehe.

„Sie machen nicht mit. Sie zahlen nicht.“

Auch Spanien bekam Trumps scharfen Ton zu spüren. Wegen der Ablehnung des Fünf-Prozent-Ziels bei den Verteidigungsausgaben und der spanischen Haltung im Iran-Konflikt bezeichnete Trump das Land als „terrible partner“ („furchtbarer Partner“) und erklärte: „They don’t participate. They don’t pay.“ („Sie machen nicht mit. Sie zahlen nicht.“) Zeitweise drohte er sogar damit, die Handelsbeziehungen zu Spanien einzuschränken.

  Nach Skandalen: Demokratischer US-Senatskandidat gibt auf

„Abschaum“, „Verrückte“, „kranke Menschen“

Besonders drastisch fiel Trumps Wortwahl gegenüber der iranischen Führung aus. Er bezeichnete sie als „scum“ („Abschaum“), „lunatics“ („Verrückte“) und „sick people“ („kranke Menschen“). Zugleich schloss er weitere Militärschläge gegen den Iran nicht aus. Die ungewöhnlich scharfen Formulierungen unterstrichen seinen konfrontativen Kurs gegenüber Teheran.

„Islamische Republik Japan“ oder „Fragen an Putin?“

Neben seinen politischen Aussagen sorgte Trump auch mit einer Reihe sprachlicher Patzer für Aufsehen. So sprach er von der „Islamic Republic of Japan“ („Islamische Republik Japan“), obwohl offensichtlich der Iran gemeint war. Wenig später bezeichnete er das internationale Atomabkommen mit Teheran fälschlich als „JCPOC“ statt der korrekten Abkürzung „JCPOA“.

Für zusätzliche Irritation sorgte ein gemeinsamer Auftritt mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Trump fragte die anwesenden Journalistinnen und Journalisten: „Any questions for President Putin?“ („Gibt es Fragen an Präsident Putin?“), obwohl neben ihm Selenskyj saß.

Die Versprecher erhielten besondere Aufmerksamkeit, weil Trump seinen früheren politischen Rivalen Joe Biden über Jahre hinweg immer wieder wegen dessen sprachlicher Aussetzer und Verwechslungen kritisiert und verspottet hatte.

„Es liegt ein Gefühl von Liebe in der Luft.“

Nach Stunden voller Drohungen, Gebietsansprüche, Beschimpfungen und Versprecher überraschte Trump schließlich mit völlig anderen Tönen.

Er bezeichnete das Treffen als „very successful NATO summit“ („einen sehr erfolgreichen NATO-Gipfel“), sprach von großer Einigkeit innerhalb des Bündnisses und erklärte: „There is a feeling of love in the air“ („Es liegt ein Gefühl von Liebe in der …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.