
Aus „Andiamo a Berlino, andiamo a Berlino, andiamo a prenderci la coppa!“ (dt. „Wir fahren nach Berlin, wir fahren nach Berlin, wir holen uns den Pokal!“) wurden nach 2006 zwei Jahrzehnte voller Pleiten, Pech und Pannen auf der WM-Bühne.
Ein „Schiaffo“, der nicht wirkte…
Es war Fabio Grosso, der Italien zum Weltmeister machte. Es war Marcello Lippi, der als Cheftrainer ein goldenes Händchen bewies – und das mit einem überalterten Kader. Mit einem Altersschnitt von 28,7 Jahren war die „Squadra Azzurra“ damals die sechstälteste Mannschaft des Turniers.
2010 wollte die Nationalauswahl den Titel verteidigen. Der Fehler: Die Anzahl der Jungstars ließ sich an einer Hand abzählen, und spielerisch hielt man am völlig überholten „Catenaccio“ fest. Das Desaster war perfekt: Mit dem bitteren Gruppenaus holte man sich einen heftigen „Schiaffo“ (dt. Ohrfeige) ab.
… und die FIGC, die aus der Loge zuschaute
Logisch wäre es gewesen, der Garde von 2006 „Arrivederci“ zu sagen und in eine neue Generation zu investieren, die frischen Wind mitbrachte. Die FIGC und Nationaltrainer Cesare Prandelli hatten bei der WM 2014 jedoch eine andere Idee und setzten im Verhältnis 5:2 lieber auf Ü30- statt auf U23-Spieler. Erneut kam das Aus in der Vorrunde.
Es folgte die WM-Qualifikation 2018 mit denselben alten Strukturen. Bei der 0:1-Niederlage gegen Schweden formten sieben (!) Ü30-Spieler die Startelf. Gianluigi Buffon war sogar 40. Bei zwei Weltmeisterschaften und einer verpassten Qualifikation hatten sich die Spieler auf dem Platz blamiert; die Führungsetage der FIGC stand unter massiver Kritik.
Die Ursache lag auf der Hand: Man hatte es verpasst, sich von der alten Garde zu lösen. Daniele Rugani (23) sollte der nächste Führungsspieler in der Abwehr werden, saß aber hinter Giorgio Chiellini und Co. fest. Federico Bernardeschi (24) und Roberto Gagliardini (22) waren zwei weitere Offensivakteure mit ähnlichem Schicksal.
Wie Italien 2021 Europameister werden konnte, kann wohl nur Ex-Teamchef Roberto Mancini erklären. Die Qualifikation zur WM 2022 ging, wenig überraschend, auch unter seiner Führung in die Hose. Wieder fehlte der frische Wind im Kader, wieder fehlte es den Spielern an individueller Klasse.
Gennaro Gattuso legte den Grundstein
Ja, die „Squadra Azzurra“ vergeigte auch die Qualifikation für die heurige WM in Nordamerika. Aber der damalige Teamchef Gennaro Gattuso hatte etwas getan, das für Italien eigentlich unerhört war: Kein Spieler in seinem Kader war älter als 30 Jahre. Dass so etwas vorkam, rechtfertigte die italienische Redewendung: „Ogni morte di papa“ – sprich: alle heiligen Zeiten einmal.
Es war der mutige Versuch, eine neue Ära einzuleiten, bei der ein reiner U30-Kader das Ruder übernehmen sollte – auch wenn dieser mit dem Aus im Elfmeterschießen erst einmal Lehrgeld zahlte.
Die neuen Heilsbringer
Nach dem Gattuso-Aus übernahm interimsweise Silvio Baldini. Sein Ansatz war radikal: Im ersten Testspiel gegen Luxemburg waren aus der Bosnien-Niederlage nur Gianluigi Donnarumma (27), Niccolò Pisilli (21) und Pio Esposito (21) dabei. Der restliche Kader war neu und kein Spieler älter als 22. Dass die Jugend Fußball spielen kann, bewies die U17-Auswahl nur vier Tage später im EM-Finale mit dem Sieg gegen Belgien.
Nicht nur an der Seitenlinie wird umgebaut: Giovanni Malagò hat die FIGC-Führung übernommen. Seine Pläne umfassen mehr Einsatzzeiten für …read more
Source:: Kurier.at – Sport



