
Direkt nach dem ersten Halbfinale war Spanien für mich der klare Favorit für das Endspiel. Es war eine große Überraschung, wie viel besser die Spanier als Frankreich waren. Beim 2:0 wurde eine unglaubliche Souveränität ausgespielt, schlicht weltmeisterlich.
Aber dann sind die Argentinier gegen England zurückgekommen wie in einem Hollywood-Film, angetrieben von ihrem Magier Lionel Messi.
Und jetzt? Passe ich meinen Tipp für das Finale an.
Aber bevor ich verrate, wer den WM-Pokal in die Luft stemmen wird, möchte ich beschreiben, wie Spanien ein Fragezeichen nach dem anderen aufgelöst hat.
Vor WM-Beginn habe ich das Team von Luis de la Fuente zum erweiterten Favoritenkreis gezählt. Aber nicht als Nummer 1, weil …
… Spanien anders als Frankreich mit Mbappe oder England mit Kane ohne Superstar-Mittelstürmer angereist ist. Tatsächlich hat sich Oyarzabal nicht nur als großartiger Goalgetter, sondern auch als erster, sehr wertvoller Arbeiter gegen den Ball präsentiert.
… weil ich in der Premier League Rodri nicht in der Top-Verfassung wie vor seinem Kreuzbandriss gesehen habe. Aber der geniale Taktgeber ist – genauso wie Lamine Yamal – rechtzeitig für die K.o.-Spiele von seinem Verletzungstief in großer Form zurückgekommen.
… ich nicht sicher war, ob der erst 19-jährige Pau Cubarsi und dahinter Goalie Unai Simon dauerhaft so performen könnten, wie sie es dann taten. Jetzt verstehe ich, warum nicht der starke David Raya von Arsenal im Tor steht, sondern der mit dem Fuß überragende Simon.
Cubarsi und Aymeric Laporte erinnern mich in der Innenverteidigung sogar bereits an das legendäre Duo Sergio Ramos – Pique.
Also, alle Fragen beantwortet – Spanien wird Weltmeister? Na ja, das große Aber heißt Lionel Messi.
Je schwieriger es wird, umso mehr prägt er ein Spiel. Selbst ein Favorit wie Spanien muss immer fürchten, dass dem Zauberer doch noch etwas einfällt.
Messi: Zwei Szenen für die Ewigkeit
Zwei Szenen haben mich gegen England besonders beeindruckt: Natürlich diese unglaubliche Flanke mit dem „schwächeren“ rechten Fuß zum 2:1.
Aber auch ein früher Moment: Als Kane sein ganzes Gewicht reinlegte, um Messi zu stoppen. Nicht nur, dass der 39-Jährige den anderen Superstar wegdrücken konnte – nein, er hat dann auch noch Elliot Anderson ein Gurkerl geschoben, ehe er schließlich gefoult wurde.
Mich hat diese Standfestigkeit mit nur 170 Zentimetern Körpergröße sehr beeindruckt.
Die Hymne als Vorteil
Für Argentinien laufen ein Gott und zehn „Killer“ ein, die als Mentalitätsmonster für ihr Land jubeln wollen. Das beginnt bereits bei der Hymne, die mit Inbrunst rausgebrüllt wird. Während die Spanier leider stumm bleiben müssen. Diesen „Vorteil“ wird Argentinien gleich nach Anpfiff nutzen wollen.
Sie werden generell intensiver, auch härter als die Franzosen auftreten.
Und dann? Ich tippe auf ein knappes Finale über 120 Minuten. Mit Lionel Messi, der als Held von der großen Bühne abtritt.
Sofern er ganz am Ende seine einzige Schwäche ablegen kann: Das Verwerten von Elfmetern.
Jan Age Fjörtoft war mit Norwegen bei der WM 1994 in den USA und analysiert die Endrunde als TV-Experte bei ServusTV.
Source:: Kurier.at – Sport



