Neuer Rektor im Pilger-Hospiz: Ein Priester, den auch Politik gereizt hätte

Politik

Am 1. Juli hat der bisherige Dompropst von Wiener Neustadt sein neues Amt in Jerusalem angetreten.

KURIER: Sie haben keinen leichten Start im Pilgerhospiz Jerusalem, weil Gäste wegen des Nahostkonflikts wahrscheinlich eher ausbleiben. Wie legen Sie es an?

Franz Xaver Brandmayr: Natürlich ist die Situation schwierig. Der Gazakrieg hat uns in zwei Jahren zwei Millionen Euro gekostet. Wir haben als einziges Pilgerhaus Jerusalems offengehalten und wollten unsere Angestellten nicht nach Hause schicken. Man kann ja auch nur das Kaffeehaus besuchen. Es läuft ganz gut.

Und Apfelstrudel oder Sachertorte bestellen. Wer kommt derzeit?

Juden, Araber, Palästinenser. Sie reden zwar nicht miteinander, sitzen aber friedlich nebeneinander. Trotz Waffenverbots kommt hie und da auch jemand mit einer Waffe – das wird einfach ignoriert. Manchmal wird hier auch gefeiert. Wir haben einen wunderbaren Garten – den einzigen in der Altstadt.

Sie müssen jetzt also um Spenden „betteln“ gehen.

Stimmt. Es gibt ja einen neu dazugebauten Teil, aber für das alte Haus brauchen wir eine Totalsanierung um 15 Millionen Euro. Noch rätseln wir, woher das Geld kommen kann.

Das päpstliche Priesterkolleg Santa Maria dell’Anima in Rom haben Sie als Leiter immerhin auch saniert.

Aber da musste ich nicht betteln gehen, weil es eine Stiftung gab, die ich wieder hochgebracht habe. Wenn das Hospiz voll ausgelastet ist, wirtschaftet es ja gut.

Haben Sie sich mit jemandem beraten, bevor Sie „ja“ zu dieser neuen Aufgabe gesagt haben?

Ich gehe alles allein mit mir und meinem Herrgott durch. Vor meiner Berufung nach Jerusalem war ich noch nie im Heiligen Land, weil ich mich ehrlich gesagt wegen der Schilderungen über die Grabeskirche gefürchtet habe: dass es ausgerechnet am heiligsten Ort der Christenheit Streitigkeiten der Christen untereinander gibt. Anfang Mai war ich dann erstmals dort in einer total friedlichen Atmosphäre. Dass ich da fast allein war, werde ich wohl nie mehr erleben. Es war sehr bewegend.

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Wenn man Ihren Lebenslauf betrachtet, dann sind Sie ein Weltbürger: Studium in München und Rom, 13 Jahre lang Anima-Leitung in Rom, jetzt Jerusalem. Aber die vergangenen Jahre waren Sie Domprobst in Wiener Neustadt. Kam es Ihnen dort manchmal zu eng vor?

Nein, ich hatte nur das Gefühl, zu wenig zu tun zu haben. In Rom war ich von halb acht Uhr Früh bis abends um elf Uhr durchgetaktet. Ich habe mich daher sehr gefreut, in Heiligenkreuz Kirchenrecht unterrichten zu dürfen.

In Wiener Neustadt bezeichnete man Sie – etwas fremdelnd – als den „Römer“.

Vielleicht war das Problem nicht der „Römer“, sondern, dass ich ein Oberösterreicher bin. Zu den Niederösterreichern gibt es da große Unterschiede.

Welche?

Die Oberösterreicher sind viel direkter. In Niederösterreich würde einem kaum jemand ins Gesicht sagen, was ihm nicht passt.

Sie sind Jurist, sind in den Jesuitenorden eingetreten, haben dann Theologie studiert und sind 1986 zum Priester geweiht worden. Gab es so etwas wie ein Erweckungserlebnis dafür?

Nein, das war schon meine katholisch-traditionelle Familie – auch wenn die nie erwartet hätte, dass ich Priester werde. Es war selbstverständlich, am Sonntag in die Kirche zu gehen. Die Politik hätte mich gereizt, ich hätte auch gerne viele Kinder gehabt. Jus habe ich inskribiert in der Annahme, dass man damit alles machen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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