Recht auf längeren Schulbesuch für behinderte Kinder soll 2027 kommen

Politik

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hat am Freitag bei einer NEOS-Enquete erneut Maßnahmen für mehr Inklusion an Schulen versprochen. Der oft geforderte Rechtsanspruch behinderter Kinder auf ein 11. und 12. Schuljahr soll 2027/28 kommen, zeigte er sich zuversichtlich. Experten, Eltern- und Behindertenvertreter haben bei der Veranstaltung im Parlament für gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung geworben, draußen wurde gegen den Status quo protestiert.

In Österreich gab es laut Statistik Austria im vergangenen Schuljahr rund 31.400 Kinder und Jugendliche, denen wegen einer körperlichen oder psychischen Behinderung ein Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wurde. Das sind im Österreich-Schnitt fünf Prozent der Pflichtschüler (Volks-, Mittel-, Sonder- und Polytechnische Schule). Zusätzliche Ressourcen zur Förderung durch spezielles Lehrmaterial oder Lehrpersonal gibt es im Finanzausgleich allerdings nur für 2,7 Prozent.

Elternwahlrecht mit Einschränkung

Mehr als ein Drittel der Kinder mit Behinderung wird derzeit in separaten Sonderschulklassen unterrichtet, in einigen Bundesländern wie Wien oder Niederösterreich ist es die Hälfte. Eltern können zwar seit den 1990ern wählen, ob ihr Kind eine Sonderschule bzw. Sonderschulklasse besuchen oder gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung inklusiv unterrichtet werden soll. In der Praxis existiere aber ein „Sog in Richtung Sonderschule“, weil an den Regelschulen die Möglichkeiten zur Unterstützung etwa von schwerstbehinderten Kindern fehlen, berichtete Bildungsforscher Tobias Buchner (Uni Wien). „Man braucht hier in Relation von Ressourcen nicht von Elternwahlrecht sprechen“, kritisierte er. Die vielen Mittel, die in den Sonderschulen geparkt seien, gehörten zunehmend in ein inklusives System verschoben.

Bei der Zuteilung der Ressourcen sollte man laut Buchner außerdem vom Konzept des SPF abgehen. Eine von ihm mitverfasste Evaluierung im Auftrag des Bildungsministeriums hat gezeigt, dass wegen schwammiger Kriterien der SPF-Anteil je nach Bundesland stark schwankt- und das nicht nur bei den häufigsten Diagnosen Lern-/Leistungsbeeinträchtigungen, Verhaltensauffälligkeiten und kognitiver Beeinträchtigung, sondern sogar bei körperlichen Einschränkungen wie Sehbehinderungen. Seit den 1990ern ist der SPF-Anteil von damals drei Prozent deutlich gestiegen – geht es nach Buchner nicht nur wegen immer mehr Diagnosen von Lernbehinderungen, sondern auch wegen gestiegener Erwartungen an die Schüler und mehr Druck auf die Schulen durch Leistungsvergleiche wie die Bildungsstandards.

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Verteilt würden Fördermittel für die Kinder derzeit teils an den, der „am lautesten schreit“, zitierte der Bildungsforscher aus einem der Experteninterviews, in anderen Fällen würden sie unabhängig vom wirklichen Bedarf nach dem Gießkannenprinzip vergeben. Ressourcen, um Kinder so früh zu unterstützen, dass sie einen SPF gar nicht erst brauchen, gebe es nicht. Er forderte stattdessen ein Modell, das beim Unterstützungsbedarf auch die Frage der schulischen Umwelt berücksichtigt und Behinderung nicht als individuelles Problem begreift. Werde am SPF festgehalten, müsse zumindest die Deckelung fallen. Die Ressourcen sollten transparent und vorrangig in inklusive Settings fließen.

Auch für den UN-Ausschuss zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen ist die aktuelle Situation nicht befriedigend: Zugang zu inklusiver Bildung gebe es nur nach „äußerst komplexen und langwierigen Verwaltungsverfahren“, Kinder mit Behinderung seien von außerschulischer pädagogischer Betreuung ausgeschlossen und die Österreichische Gebärdensprache fehle sowohl als Unterrichtssprache als auch als Fach, wie Markus Schefer vom UN-Fachausschuss laut seinen Vortragsunterlagen kritisiert. Dabei sehe Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention ein „inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen“ samt der dafür notwendigen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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