Kryptowährungen: EZB-Chefin warnt vor Risiken für Finanzstabilität

Wirtschaft

EZB-Chefin Christine Lagarde sieht an traditionelle Währungen gekoppeltes Kryptogeld kritisch. Die Verbreitung sogenannter Stablecoins habe sich ausgeweitet, die Verflechtungen mit dem traditionellen Finanzsystem nehmen zu, sagte Lagarde bei einer Veranstaltung der spanischen Nationalbank am Freitag.  Risiken sieht sie vor allem in Hinblick auf die Finanzstabilität. 

Anders als Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether sind Stablecoins an eine stabile Währung, meist an den US-Dollar, gekoppelt. Die bei Kryptowährungen üblichen starken Kursschwankungen können so weitgehend vermieden werden. Zum Einsatz kommen Stablecoins etwa zum Parken von Kryptoinvestments.  Anleger können damit beispielsweise Steuern umgehen, die bei einem Rücktausch in traditionelle Währungen anfallen würden.  Aber auch im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr wird ihnen großes Potenzial zugeschrieben.

Panikreaktionen

Schwinde das Vertrauen in die Stablecoins und komme es zu Zweifeln an der ausreichenden Deckung, könne es zu panikartigen Verkäufen kommen, sagte Lagarde.  In ihrer Rede verwies sie auf die Pleite der Silicon Valley Bank im März 2023. Dort lagen rund 3,3 Mrd. Dollar, die zur Deckung von USD Coin dienten. Weil das Geld von den Aufsichtsbehörden kurzfristig blockiert wurde, rutschte die vermeintlich stabile Kryptowährung auf 0,88 Dollar, 12 Cent unter ihren Nennwert, ab. 

Die Marktkapitalisierung der Stablecoins sei von weniger als 10 Mrd. Dollar vor sechs Jahren auf über 300 Mrd. Dollar gestiegen, sagte Lagarde. 90 Prozent des Marktes werden von den US-Unternehmen Tether und Circle mit den USD Coin und USDT kontrolliert. Die US-Regierung bezeichne die Stablecoins ausdrücklich als Instrument zur Sicherung der „Vorherrschaft des US-Dollars“, auch weil viele mit US-Staatsanleihen hinterlegt sind. 

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Zweifel an Euro-Stablecoins

Die Notwendigkeit von Euro-Stablecoins stellte Lagarde in Abrede. Die damit verbundenen Risiken wögen schwerer als mögliche kurzfristige Vorteile. „Wenn wir die internationale Anziehungskraft des Euro stärken wollen, sind Stablecoins kein geeignetes Mittel, um dies zu erreichen“, sagte die Notenbankchefin. Wenn Gelder von Bankkunden in Stablecoins abwandern, werde auch die Fähigkeit der EZB geschwächt, Preisstabilität zu gewährleisten, sagte Lagarde. Weil Zinsentscheidungen nicht mehr im vollen Ausmaß bei Unternehmen und Haushalten ankommen. 

In Europa noch Nischenprogramm

Europäische Stablecoins sind bisher bestenfalls ein Nischenprogramm. Der von einer Tochter der französischen Bank Societe Generale emittierte Stablecoin EURCV brachte Anfang 2026 gerade einmal eine Marktkapitalisierung von 41Mio. Euro auf die Waage. 

Auch das Bankenkonsortium Qivalis, dem neben sieben weiteren europäischen Banken auch die RBI und die Bank-Austria-Mutter Unicredit  angehören, arbeitet an einem Euro-Stablecoin. Er befindet sich gerade im Lizenzierungsprozess und soll im Sommer starten.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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