
Der Stellungsprozess, den in Österreich alle männlichen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen durchlaufen, wird zum Teil digitalisiert. Bereits vor dem eigentlichen Termin an einer der sechs Stellungskommissionen können die Kandidaten medizinische Befunde auf einer Plattform hochladen, aber auch Ausbildungen und persönliche Interessen oder Kenntnisse bekanntgeben. Das teilte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Donnerstag vor Journalisten in Klagenfurt mit.
„Die Grundwehrdiener sind die Basis für unser Heer“, sagte Tanner. Mit der Digitalisierung des Wehrdienstes biete man ein modernes und zeitgemäßes Erscheinungsbild: War es bisher üblich, dass die jungen Männer ihre Dokumente über Ausbildung oder Vorerkrankungen in Papierform mitbringen mussten, so könne man das ab den kommenden Monaten digital erledigen. Der Datenschutz spiele hier eine große Rolle, besonders wenn es um sensible Daten wie medizinische Befunde geht. Und: „Die Teilnahme an der digitalen Abwicklung ist immer freiwillig.“ Mit 1. Juni startete die Digitalisierung in Kärnten, bis zum heurigen Oktober soll sie auf sämtliche Stellungskommissionen in Österreich ausgerollt werden.
Bessere Datenqualität erwartet
Eine „bessere Datenqualität und einen vereinfachten, verbesserten Ablauf“ betonte auch der Staatssekretär für Digitalisierung, Alexander Pröll (ÖVP) – so bestehe die Möglichkeit, dass auch die Bahngutscheine für die Fahrt zur Musterung online verschickt werden. Man habe nicht nur ein klassisches Papierformular digitalisiert, sondern den gesamten Prozess transformiert, erklärte Herbert Binder, der Abteilungsleiter für Personalapplikationen. Er sprach von einem großen Mehrwert, auch für die Stellungspflichtigen: So würden diese per Mail an den Stellungstermin erinnert – „ein Zettel, der mit der Post kommt, wird leicht einmal verlegt“.
Mit einem eigenen „Talente-Tool“ werden die jungen Leute „zielgerichtet zu Infos hingeführt“ und bekommen die Möglichkeiten aufgezeigt, die das Bundesheer bietet – vom Erwerb verschiedener Führerscheine bis hin zum Sanitätsdienst. Die sogenannte „Vorab-Teilnahme an der Stellung“ sei allerdings das Herzstück. Kommen die künftigen Rekruten derzeit mit einer Dokumentenmappe an, so kann das im Voraus erledigt werden. Wenn zum Beispiel angegeben wird, dass man an einer Allergie leidet, kann man online gleich einen Nachweis anhängen: „Es kommt hin und wieder vor, dass dieser Nachweis bei der Stellung selbst vergessen wird“, so Binder.
Keine Verkürzung der Stellung an sich
Schlussendlich kann man online auch den Stellungstermin verschieben und Atteste zur Begründung einbringen. Und auch ein Wunschtermin für die Einberufung kann bekanntgegeben werden.
Dass sich die Zeit der Stellungsprozedur an sich durch die digitale Vorarbeit – von derzeit eineinhalb Tagen – verkürzt, ist vorerst nicht vorgesehen. „Das Herzstück der Stellung ist die medizinische und psychologische Untersuchung“, hieß es am Donnerstag. Doch von der Digitalisierung erwarte man sich auf jeden Fall, dass die Datenqualität verbessert und der Prozess an sich vereinfacht wird.
Source:: Kurier.at – Politik



