
„Künstliche Intelligenz wird Arbeitskräfte nicht obsolet machen.“ „KI wird keine Kündigungswellen auslösen.“ „KI wird lediglich Jobs verändern und Arbeit effizienter machen.“ Diese Prognosen hörte man in den vergangenen Jahren zur Genüge.
So erklärte etwa AMS-Chef Johannes Kopf in einem Gewinn-Interview im Mai 2026, dass rund ein Viertel aller Jobs potenziell von KI betroffen seien – „allerdings überwiegend durch Veränderung, nicht durch vollständiges Verschwinden“. Dem Standard sagte der IHS-Ökonom Eduard Storm im vergangenen Jahr, dass er nicht von „großflächigen Jobverlusten oder gar Massenarbeitslosigkeit“ ausgehe. Es werde jedoch große Verschiebungen geben: „Jobs gehen verloren, die Frage ist nur, wo neue entstehen.“ Dem KURIER erklärte Zukunftsforscher Franz Kühmayer heuer, dass KI vor allem für Veränderungen sorgen werde.
Und doch: Die Berichte über massive Stellenkürzungen aufgrund von KI häufen sich. Microsoft kündigte den Abbau von rund 4.800 Stellen an. Gleichzeitig investiert der Konzern in Künstliche Intelligenz. Beim British-Gas-Mutterkonzern Centrica sollen 1.300 Stellen in Callcentern und im Backoffice wegfallen. Die Firma verwies dabei ausdrücklich auf den verstärkten Einsatz von KI. Ähnliches zeigt sich bei Duolingo und Oracle. Und auch österreichische Unternehmen bereiten sich darauf vor, ganze Ebenen durch KI zu ersetzen, ergibt eine neue Befragung des Beraters Kienbaum.
Ist KI also doch ein Jobkiller?
Joblos wegen KI
Ganz so einfach ist es nicht, wie der KURIER von drei Experten erfährt. Firmen würden noch ausloten, wo, wie und wann sie KI einsetzen können, sagt Thomas Grisold, Leiter der WU-Wien-Forschungsgruppe „Applied Artificial Intelligence“. „Die Idee ist, dass man produktiver und effizienter wird. Aber natürlich will man auch Kosten sparen.“ Bislang würde es keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege dafür geben, dass KI gesamtwirtschaftlich zu großen Kündigungswellen führt: „Unternehmen können derzeit auch einen Anreiz haben, Stellenabbau mit KI zu erklären.“ Diese Begründung könne moderner und fortschrittlicher wirken als eine schwachen Konjunktur oder schwierige wirtschaftliche Bedingungen. „Damit signalisiert man, dass man in neue Technologien investiert.“
Echte Veränderungen erkenne man aktuell nur bei Jobeinsteigern, so Dennis-Kenji Kipker. Als wissenschaftlicher Direktor und Gründer des cyberintelligence.institute berät er die deutsche Bundesregierung, die Europäische Kommission und Unternehmen weltweit.
„Softwareentwicklungsunternehmen stellen in diesem Jahr erstmals keine neuen Auszubildenden ein, weil sie durch KI ersetzt werden“, berichtet er. Diesen Trend bestätigt eine Stanford-Studie: Die KI-bedingte Beschäftigungslücke soll bei jungen Arbeitskräften auf 19 Prozent gestiegen sein. Betroffen seien vor allem KI-exponierte Berufe, etwa Softwareentwickler oder Customer-Service-Mitarbeiter. Dass Nachwuchsjobs verloren gehen, sieht Dennis-Kenji Kipker als ein zentrales Problem. „Wer heute keine Juniors einstellt, hat morgen keine Seniors.“
Und es gibt eine weitere Entwicklung: Es gebe plötzlich die Erwartung, „dass auf einmal jeder alles kann, auch ohne Erfahrung und Know-how“, warnt Kipker. „Wir drehen uns immer schneller um die eigene Achse und schaffen eine Pseudoproduktivität. Noch können wir uns das leisten, weil KI-Training auf menschlichem Wissen basiert. Früher oder später werden wir dafür aber teuer bezahlen.“ Etwa durch massive Qualitätseinbußen.
Ganz so negativ sieht es Benedikt Graf, Forscher an der Universität Wien, nicht. Er beschreibt KI als Chance, mit einem Aber.
KI als kleiner Unterstützer
„Wir alle arbeiten schon ewig mit digitalen Agenten zusammen“, sagt Benedikt Graf. Etwa mit Sprachassistenten wie Siri, Autopiloten oder Spamfiltern. Durch solche technische Unterstützungen ist …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



