
Von Lukas Bergmann
Wenn die albanische und serbische Diaspora in Wien aufeinandertreffen – in irgendeiner Art und Weise –, dann sind Spannungen leider vorprogrammiert. Zu tief sind die Wunden aus dem Balkan-Krieg. Im Vorfeld des Spiels zwischen SV Besa mit albanischen Wurzeln und Srbija Wien kam es in den sozialen Netzwerken zu Reibereien. Diese hatten auch rund um den Platz reale Konsequenzen. Rund eine Stunde vor Anpfiff kam die Polizei, um mit ihrer Präsenz für Ruhe zu sorgen, und auch der Wiener Fußballverband warf ein Argusauge auf das Spiel. Die Kosten für den Einsatz trug der SV Besa.
Eines aber vorneweg: Es war ein ruhiges Spiel. Das lag auch daran, dass beide Vereine sich bemühten, die Stimmung online zu beruhigen. Sie riefen auch auf, provozierende Plakate, Gesten oder Kleidung zu Hause zu lassen. Dieser Aufruf wurde dann auch erhört. Die Polizei musste nicht ein einziges Mal eingreifen und sah vor allem eine Heimmannschaft, die für ihre Verhältnisse massive Unterstützung aus der Gemeinschaft genoss. Unglaubliche 500 Zuschauer kamen an die „Kennerroad“, wie der Sportplatz in der Kennergasse genannt wird, um ein Spiel der 1. Klasse A zu bestaunen. Nicht einmal der Stammverein FavAC in der Regionalliga Ost kann mit solchen Zuschauerzahlen mithalten.
Pljeskavica-Burger
Dabei ist SV Besa ein frisch gegründeter Verein. Es ist ihre erste Saison in der 1. Klasse. Deshalb ist noch vieles im Aufbau. Die Menschen im Verein füllen auch mehrere Rollen aus: Der Co-Trainer brät noch vor Spielbeginn die Pljeskavica-Burger, der Präsident ist gleichzeitig der Dirigent im Mittelfeld und der Trainer bekleidet auch den Posten des Obmann-Stellvertreters. Trotz des Personalmangels innerhalb des Vereins haben sie einen eigenen Fanshop, der T-Shirts, Wasserflaschen und kleine Erdnuss-Schalen mit Logo verkauft. Und die Community dankt es ihnen mit dieser außergewöhnlichen Kulisse.
Es hing jedoch nicht nur die albanische Flagge vor der Heimtribüne – auch eine gleich große österreichische Fahne fand einen Platz direkt daneben. Vereinzelt waren auch Fans mit Österreich-Trikot im Publikum.
Für Trainer und Obmann-Stellvertreter Visar Sajijaj ist das ein klares Zeichen des Vereins: „Ich bin im Kosovo geboren und hier aufgewachsen. Ich bin seit meinem elften Lebensjahr in Wien. Wir sind alle Österreicher schlussendlich. Wir wollen auch unsere Kultur ein bisschen preisgeben und vermitteln.“
Kultureller Auftrag
Der SV Besa will nicht nur einen kulturellen Auftrag erledigen, sondern auch sportlich Eindruck hinterlassen. Dafür ist der Kader auch sehr stark, wie es Srbija am Samstag zu spüren bekam. Besa konnte ehemalige Landesliga-Kicker für ihren Verein gewinnen und deshalb war das Spiel auch schnell eine klare Angelegenheit. Besa war eindeutig besser und gewann mit 7:2. Nur zu Beginn der ersten Halbzeit hofften die Serben beim Stand von 1:1 kurz, etwas Zählbares von der Kennerroad mitzunehmen. Danach begann aber das Torfestival. Angepeitscht vom leidenschaftlichen, aber fairen Heimpublikum, netzte Besa ein ums andere Mal.
Umso zufriedener war Trainer Sajijaj: „Es ist wichtig, zu gewinnen, egal gegen wen man spielt. Aber gegen Srbija ist es umso schöner, so deutlich zu gewinnen.“ Damit schraubt sich Besa auf Platz zwei in der Tabelle nach zwei Spielen. Der Aufstieg ist auch das erste große Ziel von Besa, wie …read more
Source:: Kurier.at – Sport



