
Die Soko Signa im Bundeskriminalamt hat in der Causa Signa wegen Untreue-Verdachts umfangreiche Erkenntnisse zu verdächtigen Vermögensverschiebungen im 29. Zwischenbericht rund um Benko-nahe Stiftungen vorgelegt. Im Zentrum steht ein geplanter Tausch von Kunstwerken gegen Villen-Anteile im Wert von knapp 30 Millionen Euro.
Im August 2023 übertrug die Signa Holding die Anteile an der luxemburgischen Gesellschaft Villa Eden Gardone Beteiligung S.a.r.l., kurz VEG, an die Liechtensteiner Ingbe-Stiftung, die der Familie Benko um dessen Mutter Ingeborg zugerechnet wird. Die VEG besitzt sechs Villen am Gardasee. Der Kaufpreis in Höhe von 46,3 Millionen Euro wurde mit Aktien der Signa Prime Selection AG (SPS) gegenverrechnet. Angeblich benötigte die Signa Holding die Aktien zwecks Besicherung. Die SPS soll aber bereits seit 31. März 2022 materiell insolvent gewesen sein, erst im Dezember 2023 meldete sie Insolvenz an.
„In den sichergestellten elektronischen Unterlagen wurden mehrere eMails ab Oktober 2023 aufgefunden, aus denen hervorgeht, dass die Ingbe-Stiftung nur drei Monate nach Kauf der Villa Eden Gardone S.a.r.l., 63 Prozent dieser Anteile an die Laura Privatstiftung (kurz LPS) abtreten wollte“, heißt es im Bericht. „Als Gegenleistung sollten von der LPS zwei Kunstwerke (ein Picasso und ein Basquiat), welche offensichtlich in der Villa in Igls hingen, an die Ingbe-Stiftung übertragen werden.“ Die Kunstwerke hatten einen Gesamtwert von 29,41 Millionen Euro.
Bilder ersteigert
Die Ermittlungen zeigen, dass René Benko beide Kunstwerke persönlich bei Christie’s ersteigert hatte: Das „Self Portrait“ von Basquiat im März 2021 um umgerechnet 10,53 Millionen Euro und Picassos „L’Étreinte“ Ende Juni 2021 für umgerechnet 17,18 Millionen Euro. Die Rechnung für den Basquiat lautete ursprünglich auf „René Benko c/o Signa Holding“ und wurde nachträglich auf die Laura Privatstiftung umgeschrieben. Der Picasso sollte über die „Laura AAA Kunst GmbH & Co KG“ abgerechnet werden, die sich zum Auktionszeitpunkt erst in Gründung befand.
Aus eMails geht hervor, dass Benko selbst die Anweisungen gab: „Gesteigert wurde für die Laura Privatstiftung als Erwerberin“, schrieb er am 13. April 2021. Später ergänzte er: „Der Basquiat kommt dann nach Baufertigstellung ins Haus nach Igls.“ Die Versicherungspolizze von 2023 führt als Versicherungsnehmer die Laura Privatstiftung an, als zusätzlich Versicherte jedoch „Nathalie und René Benko“. Versicherter Standort: Villa N Igls. Die beiden Kunstwerke waren mit 28 Millionen Euro versichert.
Im Oktober/November 2023 wurde der Tausch akribisch vorbereitet. Doch am 7. November 2023, dem Tag der Vertragsunterzeichnung, erstatteten die Vorstände der Ingbe-Stiftung eine Geldwäscheverdachtsmeldung an die Liechtensteinische Behörde SFIU. Grund: Medienberichte über die wirtschaftliche Schieflage der Signa-Gruppe. Am 13. November 2023 schrieb Benko an die Stiftungsvorstände: „Hat irgendjemand von Euch irgendwie gegenüber Dritten, Markt, Galeristen erwähnt dass Picasso und Basquiat veräußert werden soll? – oder um Wertindikationen gebeten?“ Sie bestritten das.
Vorwurf bestritten
Vier Tage später teilte ein Signa-Mitarbeiter der Versicherung mit, dass die Vorstände der Laura Privatstiftung beschlossen hätten, die Bilder nicht zu verkaufen. Im Jänner 2024 wurde der Basquiat schließlich doch für 11,08 Millionen Euro an die Ingbe-Stiftung veräußert. Laut Vorstandsbeschluss wegen „bevorstehenden Liquiditätsbedarfs“ der Laura Privatstiftung. Letztere ging im März 2026 pleite. „Herr Benko bestreitet, an einem strafrechtlich relevanten Vorgang mitgewirkt zu haben“, sagt sein Verteidiger Norbert Wess zum KURIER. „Diese Transaktion, die hier …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



