Ralf Rangnick bringt neuen „Jedermann“ und eine pikante Rückkehr

Kultur

Ein Fußballtrainer als Kulturmäzen. Diese Nachricht sorgte zunächst für Verwunderung. ÖFB-Coach Ralf Rangnick droppte am Samstag bei einer Tagung auf Schloss Leopoldskron Pläne, ab September 2027 eine alternative „Jedermann“-Produktion in Salzburg zu realisieren. Der Ortsbezug war gelungen, wohnte doch einst Festspielgründer Max Reinhardt in Leopoldskron. Dass Rangnick angab, die KI befragt zu haben, wie ein „Jedermann für die jüngere Generation“ aussehen müsste, beseitigte Zweifel an der Ernsthaftigkeit jedoch nicht restlos. Das liegt nur daran, dass Rangnicks gesellschaftliches Engagement hierzulande noch nicht so bekannt war.

2018 gründete er die Ralf Rangnick Stiftung, die Kindern unabhängig von sozialem Status Chancen auf freie Entfaltung bieten möchte. Sie sollen in der Entwicklung zu „verantwortungsvollen, selbstbestimmten und handlungsfähigen Jugendlichen“ gefördert werden.

Kultur kein Novum

Im Bereich Kreativität führte die Stiftung bereits von 2020 bis 2022 das Projekt einer „Stadtteiloper Leipzig“ durch und brachte die musikalische Komödie „Ikarus und der Traum vom Fliehen“ auf die Bühne. Davor war Rangnick Sportdirektor bei RB Leipzig. Ob das Ikarus-Thema mit seinem damaligen Arbeitgeber Red Bull, der gern „Flügel verleiht“, zu tun hatte, ist nicht belegt.

Nun also ein „Jedermann“ in Salzburg, wo der Schwabe nicht nur ausgezeichnete Kontakte aufgebaut, sondern seit Längerem auch seine Zelte aufgeschlagen hat. Laut einem Bericht der Salzburger Nachrichten ist Schauspieler Karl Markovics an Bord, und es gibt Gespräche mit Ex-„Buhlschaft“ Verena Altenberger. Besonders interessant ist die von Rangnick genannte Personalie des Regisseurs: Michael Sturminger inszenierte ab 2017 den „Jedermann“ mit Tobias Moretti und Lars Eidinger, bevor Markus Hinterhäuser Sturmingers Neuinterpretation mit Michael Maertens im Jahr 2023 nach nur einer Saison einstampfen ließ. Sturminger sprach damals im KURIER von „Wortbruch“, die Festspiele von einem notwendigen „künstlerischen Neustart“. Der Regisseur verließ Salzburg im Streit.

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Sturminger bestätigt die Arbeiten am neuen „Jedermann“ und sagt auf Anfrage: „Ich freue mich auf das Projekt mit Ralf Rangnick, er kann auf ganz besondere Art Kräfte bündeln und Dinge möglich machen. Hier geht es um das, was jeder von uns beitragen kann und was wir gemeinsam schaffen, künstlerisch und menschlich.“

Spielen sollen Kinder und Profis in einem Zirkuszelt im Volksgarten. Auch das ist eine Anleihe bei Reinhardt, der seine Ur-Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ 1911 im Berliner Zirkus Schumann gezeigt hatte. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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