Ein Produkt aus Wiener Neudorf sichert Gasleitungen in aller Welt

Wirtschaft

Wenn man Unternehmen vorstellt, die weitgehend unbekannt, aber auf einem bestimmten Gebiet sehr erfolgreich sind, schreibt man gerne von „Hidden Champions“. In diesem Fall ist das Unternehmen wohlbekannt, aber ein spezielles Produkt kaum, obwohl es weltweit eingesetzt wird. Ein „Hidden Product“ ist das Sicherheitsventil Gas-Stop sogar im doppelten Sinne. Es ist nämlich so versteckt, dass man es als Normalsterblicher nie zu Gesicht bekommt: innerhalb von Gasleitungen. Der KURIER war zu Gast in Wiener Neudorf, wo das Produkt hergestellt wird.

Bagger reißt die Gasleitung auf

Eine Gasleitung sollte immer komplett dicht sein. Manchmal kommt es jedoch zu Missgeschicken, etwa bei Baggerarbeiten, oder zu Naturkatastrophen wie Erdbeben, und es entstehen Lecks. Ein Sicherheitsventil in der Leitung sorgt dafür, dass der Gasfluss sofort unterbrochen wird, erklärt Johann Marchner, Geschäftsführer von Wienerberger Österreich. Der Konzern ist vor allem für seine Ziegel bekannt. Das Tochterunternehmen Pipelife jedoch ist auf Rohre aus Kunststoff spezialisiert. Sie kommen auch beim Transport von Erdgas zum Einsatz, zumindest in der lokalen Verteilung bis zum Hausanschluss. Das ist genau jener Bereich, in dem am häufigsten Lecks auftreten.

Das Funktionsprinzip ist einfach

Die Idee für Gas-Stop entstand bereits Anfang der 90er-Jahre. Nach Unfällen suchte ein Techniker des damaligen burgenländischen Gasversorgers BEGAS nach einer Art FI-Schalter für Gasleitungen und wandte sich an seinen Rohrlieferanten Pipelife. Gemeinsam wurde ein leicht zu konstruierendes Sicherheitsventil entwickelt, erzählt Alexander Schmid, langjähriger Gas-Stop-Produktmanager. Das Funktionsprinzip ist simpel. Eine Feder gibt nach, wenn sich der Gasfluss durch ein Leck schlagartig beschleunigt. Ein Kolben verschließt das Ventil. 1992 wurde ein großer Feldversuch mit dem Ventil durchgeführt, mit Erfolg.

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14 Millionen Stück weltweit im Einsatz

Pipelife ließ Gas-Stop patentieren und begann damit, sein Produkt zu vermarkten, bald auch außerhalb Österreichs. Gasnetzbetreiber in vielen Ländern begannen, die Sicherheitseinrichtung sehr zu schätzen. „Wenn Gas einmal brennt, ist es eigentlich schon nicht mehr so gefährlich“, sagt Schmid. „Aber wenn es ausströmt und es brennt nicht, sehe ich es nicht und weiß nicht, wo es hinströmt und wo sich eine entzündliche Gasblase bildet.“ Wenn man Pech habe, reiche ein Funken aus und eine Explosion sei die Folge.

Gas-Stops gibt es heute in über 200 verschiedenen Typen, für unterschiedliche Rohrdurchmesser und Druckbereiche, von 25 Millibar bis 6 Bar. Ein kleines Modell kommt auf einen Listenpreis von ungefähr 25 Euro. Zur Haltbarkeit sagt Schmid: „Solange das Rohrnetz hält, hält auch Gas-Stop.“ Mehr als 14 Millionen Stück des Sicherheitsventils sind heute im Einsatz. Pipelife hat Kunden in über 40 Ländern weltweit. Die Türkei machte den Einbau von Gas-Stops in Gasleitungen wegen der Erdbebengefahr zur Pflicht. „Wir sind auf allen Kontinenten vertreten“, sagt Didem Ugun, seit Jänner Produktmanagerin für Gas-Stop.

Jedes Exemplar wird genau geprüft

Pipelife will mit seinem Produkt künftig auch in den USA Fuß fassen, wo es bisher noch nicht angeboten wurde. Das Patent ist mittlerweile abgelaufen, Konkurrenzunternehmen bieten ähnliche Sicherheitsventile ebenfalls an. Pipelife setzt dem Erfahrung und Qualität entgegen. In der Produktion in Wiener Neudorf, von wo aus Gas-Stops in alle Welt versandt werden, sieht man, wie viel Aufwand in jedes einzelne Exemplar des Ventils gesteckt wird. Komponenten werden per Hand zusammengefügt, jedes einzelne Produkt …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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