Warum Island für die Europäische Union so wichtig ist

Politik

Auf den ersten Blick wirkt die Odin nicht gerade wie das Schiff, das im Hafen von Reykjavík die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die großen Fischtrawler oder Passagierschiffe sind imposanter. Oder das Patrouillenboot der isländischen Küstenwache, das vor der Oper ankert. Doch in Island kennt die Odin jedes Kind, erzählt Sigrún und führt durch die engen Räume. Sie zeigt den Maschinenraum, die Kanone – und schließlich ganz unten die „Geheimwaffe“: den Schleppleinen-Schneider.

Damit zerteilte das Ex-Küstenwachschiff einst die Fangnetze von rund 30 britischen Trawlern; mehrfach rammte sie zudem britische Schiffe. Es waren dramatische Höhepunkte der Kabeljaukriege mit dem Vereinigten Königreich, in denen Island seine Fischereizone erst auf 50, später auf 200 Seemeilen ausweitete.

Heute ist die Odin zwar nur noch ein Museumsschiff, doch die Kabeljaukriege sind in Island wieder hochaktuell. Vor dem Referendum über eine Wiederaufnahme der EU-Beitrittsgespräche wird nämlich vor allem eine Frage diskutiert: Wer darf über Islands Gewässer bestimmen?

Knackpunkt

Die Fischerei war schon bei Islands erstem EU-Beitrittsversuch nach der Finanzkrise von 2008 der größte Knackpunkt. Die Gespräche wurden später auf Eis gelegt. Anders als damals stellt Brüssel diesmal eine Sonderlösung in Aussicht. Das sei durchaus „bemerkenswert“, sagt der Politologe Maximilian Conrad, der an der Universität Island zu europäischer Integration forscht. „Dass die Europäische Kommission sagt, in der Fischereipolitik sind wir kompromissbereit, hört man so eigentlich nicht in Erweiterungsprozessen.“

Dass die EU so großes Interesse an dem Eiland zeigt, hat mehrere Gründe, etwa sein Standort. Island liege „im Nordatlantik in einer extrem wichtigen Position“, so Conrad. 

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Auch Magnús Árni Magnússon, Vorsitzender der Europäischen Bewegung Island, verweist auf die wachsende geopolitische Bedeutung der Arktisregion. In Seweromorsk im äußersten Norden Russlands liegt der Hauptstützpunkt der russischen Nordflotte. Will Russland von dort in den Atlantik, muss seine Flotte die GIUK-Lücke zwischen Grönland, Island und UK passieren. „Island liegt genau in der Mitte und hat somit eine strategisch günstige Lage, wenn es darum geht, den Nordatlantik vor der russischen Flotte zu schützen.“  Durch die Erwärmung der Arktis entstehen zudem neue Schifffahrtsrouten.

Nettozahler

Auch wirtschaftlich wäre Island ein attraktiver Neuzugang: Gemessen am BIP pro Kopf zählt das Land zu den wohlhabendsten Europas und wäre Nettozahler. „Wirtschaftlich gesehen geht es uns recht gut“, sagt Una Jónsdóttir, leitende Wirtschaftsforscherin bei der isländischen Landsbankinn. Islands Wirtschaft ist stark exportorientiert; getragen wird sie von Tourismus, Fischerei und Aluminium. Zugleich sind Zweige wie die Pharmabranche, Fischzucht und Tech im Aufschwung. Ein Vorteil ist die reichlich verfügbare grüne Energie, die Island – neben dem kühlen Klima – etwa für Rechenzentren attraktiv macht. Die EU will ihre Rechenzentrumskapazität bis 2035 verdreifachen. 

Zudem hätte ein isländischer Beitritt eine starke Symbolwirkung: „Gerade in Ländern wie Österreich, wo die nächsten Erweiterungen durchaus skeptisch gesehen werden, würde das positiv wahrgenommen werden“, so Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik, der das Referendum in Reykjavík  beobachten wird. 

Im Tandem zur EU

Längst wird daher ein Doppelbeitritt mit Montenegro diskutiert. „Das ist ein Duo, das einen Mehrwert bringen könnte, das Norden und Süden geografisch ausgleicht. Ein Nettozahler, ein Nettoempfänger. Zwei kleine Länder, die man relativ unproblematisch in die europäischen Strukturen integrieren kann.“ Weder beim Budget noch bei …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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