
Eine Weisheit ist unumstößlich: Am Ende ist alles immer eine Frage des Preises.
Diesen Frühling, nach dem Ende der Heizperiode, waren Europas Gasspeicher wie immer leer – der Winter war kalt, der Verbrauch hoch, und wäre es ein normales Jahr gewesen, hätten die Gasfirmen überall mit dem Einspeichern begonnen.
Dank Donald Trump war 2026 aber kein Jahr wie jedes andere. Weil er den Iran bombardieren ließ, die Mullahs die Straße von Hormus sperrten, fehlte essenzielles Flüssiggas aus Katar am Markt – und das ließ die Gaspreise in die Höhe schnellen. Einspeichern zahlte sich darum nicht aus – es wäre schlicht unwirtschaftlich gewesen.
„Winterpanik“
Ein halbes Jahr und einen sehr heißen Sommer später schürt das in Europa nun die „Winterpanik“, wie es die schwedische Bank SEB in einer Gasmarkt-Analyse nennt: Weil der heiße Sommer die Gasbestände weiter leerte – 17 Prozent des europäischen Stroms kommt nach wie vor aus Gaskraftwerken, und die Klimaanlagen Europas arbeiteten bekanntlich auf Hochtouren – sind die Gasspeicher des Kontinents so leer wie seit Jahren nicht.
Im EU-Schnitt sind sie gerade mal zu 62 Prozent gefüllt, das ist der schlechteste Wert seit 2011. Vergangenes Jahr lagen sie Stände zum selben Zeitpunkt um ganze 12 Prozentpunkte höher. Allzu schnell steigen werden die Stände auch nicht: Die Preise sind seit Frühling kontinuierlich gestiegen, das Einspeichern wird damit immer unwirtschaftlicher.
Bei unseren deutschen Nachbarn sorgt das bereits für aufgeregte politische Debatten. Deutschland ist wegen seiner gasintensiven Industrie der größte Verbraucher des Kontinents, die ohnehin stotternde Wirtschaft hängt stark am Gaspreis. Weil die dortigen Speicherstände mit 50,7 Prozent noch deutlich unter dem EU-Niveau liegen, haben die Gasnetzbetreiber nun vor Engpässen im Winter gewarnt, aus der Opposition kommen Rufe nach staatlichen Eingriffen, wie etwa Stützungskäufen. Aus Berlin heißt es dazu vorerst aber kategorisch Nein, weil man sich gegen Markteingriffe wehrt. Auch wenn das ist anderen konservativ bis rechts regierten Staaten wie den Niederlanden oder Italien durchaus passiert.
Österreich steht besser da
In Österreich ist die Lage ein weniger entspannter als in Deutschland. Die Gasspeicher hier sind zu 65,2 Prozent gefüllt, das sind zwar auch um 15 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, aber immerhin deutlich mehr als in Deutschland.
Versorgungsengpässe erwartet hierzulande darum niemand. Womit zu rechnen ist, sind jedoch Preissteigerungen für die Endkunden: Auch wenn Österreich kaum Flüssiggas aus Katar bezieht – das Gros des Gases kommt via Pipelines aus Norwegen und verflüssigt per Schiff aus den USA – spüren die heimischen Unternehmer den hohen Weltmarktpreis durch den Ausfall Katars. Der Großhandelspreis hat sich seit August 2025 verdoppelt, er liegt auf dem höchsten Stand seit 2023.
Bleibt die Straße von Hormus gesperrt, dürfte der Preis noch deutlich steigen, sagen Experten. Seit der jüngsten Ankündigung Trumps, dem Iran nochmals die wirtschaftlichen Daumenschrauben anzuziehen, rechnet niemand mehr damit, dass die Mullahs in Teheran die Straße schnell freigeben – die Sperre werde wohl bis Anfang 2027 aufrecht bleiben.
Das verschärft wiederum den ohnehin schon laufenden Bieterwettkampf um das bereits auf Schiffe verladene LNG. Europa konkurriert da vor allem mit Asien – anders als dort spürt unser Kontinent aber politischen Druck: Die EU schreibt ihren Mitgliedern …read more
Source:: Kurier.at – Politik



