Fed-Geldspritze kein Allheilmittel für taumelnde Unternehmen

Wirtschaft

Experten: Pleitewelle droht so oder so . Finanzstarke Firmen geben neue
Anleihen aus.

Die US-Notenbank hat ihre „Bazooka“ herausgeholt. Am Montag drehte die Fed den Geldhahn bis zum Anschlag auf und kündigte den Ankauf von Wertpapieren in unbegrenzter Höhe an, um die Wirtschaft in der Coronakrise zu stützen. Experten bezweifeln allerdings, ob sie damit eine Pleitewelle verhindern kann.

Viele US-Firmen waren schon vor dem Ausbruch der Pandemie bis über beide Ohren verschuldet. Sie brauchen keine neuen Kredite, sondern Kunden: Die Druckerpressen anzuwerfen, sei zwar schön und gut, sagt Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann. „All das ändert aber nichts daran, dass – wenn der Staat seinen Bürgern zur Epidemie-Eindämmung verbietet, Brötchen zu backen – keine Brötchen da sind.“

Einnahmen brechen weg

Die Stilllegung großer Teile der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens zur Bekämpfung der Virus-Ausbreitung lässt in vielen Branchen die Einnahmen wegbrechen. Die große Frage ist, wie lange können die Firmen das durchhalten. „Ich begrüße alles, was die Fed gerade versucht“, sagt Marty Fridson, Investment-Chef des Vermögensverwalters Lehmann, Livian, Fridson. Aber nichts davon werde den Einbruch der Konjunktur kurzfristig aufhalten.

Die Experten der Bank Goldman Sachs erwarten für das zweite Quartal einen Einbruch der US-Wirtschaftskraft um knapp ein Viertel. Ihre Kollegen von Morgan Stanley rechnen mit dem schwächsten Abschneiden der US-Wirtschaft seit 74 Jahren.

EZB weitet aus

Ähnlich wie die Fed weitet auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Wertpapierkäufe drastisch aus und kauft erstmals auch kurz laufende Unternehmensanleihen auf. „Wir müssen aber abwarten, ob dieses Geld auch jedes Eckchen der Wirtschaft erreicht“, sagt Koichi Kobayashi, Devisenchef der Mitsubishi Trust Bank.

Angeschlagene US-Firmen können von dieser Flut billigen Geldes aber kaum profitieren, warnen Experten. Anleger rechneten Fridson zufolge mit einem Anstieg der Rate an Zahlungsausfällen auf 9,4 Prozent, die Analysten der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) erwarten sogar zehn Prozent. Im Dezember 2019 war die Quote noch bei 3,1 Prozent gelegen.

Ölförderung

Bei den Schieferöl-Produzenten sei die Lage noch dramatischer, warnt Experte Fridson. Hier drohe eine Ausfallrate von fast 16 Prozent. Diese Firmen sind wegen der Investitionen in die aufwendige Fracking-Technologie besonders hoch verschuldet und machen wegen des jüngsten Ölpreis-Verfalls Verluste. Analysten zufolge müsste sich der Kurs auf 45 bis 50 Dollar (37 bis 46 Euro) verdoppeln, damit sich die Schieferöl-Förderung wieder lohnt.

Aber auch in anderen Industriestaaten haben Firmen Rekord-Schuldenberge aufgetürmt. Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind derzeit Unternehmensanleihen im Volumen von 13,5 Billionen Dollar im Markt – das ist mehr als doppelt so hoch wie Ende 2008 während der Finanzkrise und entspricht mehr als dem Dreifachen der jährlichen Wirtschaftskraft Deutschlands.

Dabei besaßen 2019 etwas mehr als die Hälfte dieser Papiere mit dem Gütesiegel „Investment Grade“ lediglich die Note „BBB“ – nur eine Stufe über Ramsch-Status. Bei einer Herabstufung fallen sie aus wichtigen Bond-Indizes heraus und fliegen aus Depots von Anlegern, die in spekulative Papiere nicht investieren dürfen oder wollen.

Bazooka

Finanzstarken Unternehmen gab die Fed-„Bazooka“ aber den Startschuss für Neuemissionen: Der Pharmakonzern Sanofi, der Lebensmittel-Hersteller Nestle, der weltgrößte Spirituosen-Anbieter Diageo, Bank of America, der Getränke-Abfüller Coca Cola European Partners und die französische Bank BPCE nutzten die Gelegenheit umgehend, um sich billig im frischem …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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