Investor: „Die Brutalität kann einem Angst machen“

Wirtschaft

In den vergangenen Wochen kam es zu einer Reihe aufsehenerregender Deals von KI-Unternehmen. Der auf industrielle Anwendungen spezialisierte Linzer Senkrechtstarter EmmiAI wurde um kolportierte 330 Mio. Euro an den europäischen Branchenprimus Mistral verkauft. Das deutsche Unternehmen Ona, das sichere Umgebungen für Softwareentwicklung mit KI bereitstellt, wurde von OpenAI übernommen. Die Kaufsumme dürfte sich in einem ähnlichen Bereich bewegt haben. 

An beiden Unternehmen war das österreichische Risikokapitalunternehmen Speedinvest beteiligt. Der KURIER hat mit Speedinvest-CEO Oliver Holle über die Übernahmen, den Boom um Künstliche Intelligenz und den brutalen Wettbewerb um KI-Start-ups gesprochen. 

KURIER: Sie haben innerhalb weniger Wochen zwei große Unternehmensverkäufe im KI-Bereich über die Bühne gebracht. Findet gerade eine Konsolidierungswelle statt?
Oliver Holle: Das ist ganz sicher Teil einer großen Konsolidierungswelle. Das Fenster für Börsengänge ist offen. Alle bringen sich in Position. Da wird noch viel mehr passieren.

Warum werden die Kaufsummen nicht genannt? Die sollen in beiden Fällen mehrere Hundert Millionen Euro betragen. Das ließe sich doch gut als Erfolgsgeschichte erzählen?
Für uns als Speedinvest wäre es super, wenn wir die Summen nennen dürften. Es sind wirklich große Summen und das ist natürlich sehr erfreulich. Es obliegt aber den Käufern, das zu kommunizieren. 

Hat es für EmmiAI und Ona Alternativen zum Verkauf gegeben?
Alternativen gibt es immer. Die beiden Firmen waren am Weg, die nächste große Finanzierungsrunde aufzustellen. Das ist der Punkt, wo sich Strategen melden, weil sie genau wissen, wenn sie nicht vor der Finanzierungsrunde kaufen, wird es nachher viel teurer. 

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Solche Wachstumsfinanzierungen bewegen sich üblicherweise im höheren zweistelligen Millionenbereich. Es heißt, dass sie von europäischen Kapitalgebern kaum finanziert werden können.
Es gibt viel zu wenig Growth-Investoren in Europa. Das heißt aber nicht, dass europäische Start-ups keine großen Finanzierungsrunden abschließen können. Das heißt nur, dass das Geld aus Amerika, Asien oder der arabischen Region kommt. Wir haben gerade fünf Start-ups, die Finanzierungsrunden über 100 Millionen Euro planen. Das gab es schon lange nicht mehr.

Alle im KI-Bereich?
Nicht nur KI, auch Deeptech, Defense und Quantencomputer. Es gibt gerade eine große Welle. Der Großteil der Finanzierungsrunden wird aus Amerika angeführt werden. Das ist vielleicht ein geopolitisches Problem. Die Gründer sehen das aber sehr pragmatisch. 

Werden einige dieser Firmen verkaufen, statt eine Finanzierungsrunde abzuschließen?
Es würde mich nicht wundern. So viel Kapital wie jetzt gab es schon lange nicht mehr am Markt. Das ist den großen Börsengängen in den USA geschuldet. Sie erzeugen viel Kapitalrückfluss bei Investoren und einen großen Leidensdruck bei der Konkurrenz, die nachziehen muss. Es kann sich niemand leisten, passiv an der Seitenlinie zu warten. Wir sind mitten in einem dieser großen Transaktionszyklen, die alle fünf bis zehn Jahre stattfinden. Das geht mit dem greifbaren Gefühl einher, dass sich jetzt gerade die Technologie für die nächsten 20 Jahre aufbaut.

Was macht Sie sicher, dass es keine Blase ist, die platzen wird?
Ein Teil in mir ist alt genug und hat genug gesehen, um zu sagen, dass es natürlich wieder einen Bust nach dem Boom geben wird. Die andere Perspektive ist, dass wir erst am Anfang eines grundlegenden Wechsels zu KI-Technologien stehen. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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