
Erneut ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent am Mittwoch wieder über 100 Dollar gestiegen. Zuletzt wurde dieses Niveau Mitte Juli erreicht. Noch liegt er aber ein gutes Stück unter dem Jahreshoch von 126 Dollar, das Ende April erzielt wurde. Grund sind weitere, wechselseitige Angriffe von den USA und dem Iran rund um die Straße von Hormus. Der Preis für Erdgas stieg an der Börse in Amsterdam auf 78,50 Euro pro Megawattstunde (MWh) und liegt damit nur noch knapp unter der 80-Euro-Marke, so hoch wie nie seit Beginn des Iran-Kriegs. Nur 2022 war der Gaspreis noch höher.
„100 Dollar sind eine runde und psychologisch wichtige Marke, aber der Ölpreis, bei dem die entwickelten Volkswirtschaften tatsächlich einen Wendepunkt erreichen, liegt deutlich höher“, sagt Manish Kabra, Multi-Asset-Stratege bei der Société Générale. „Wir gehen davon aus, dass der Rohölpreis auf 150 US-Dollar steigen müsste, um einen erheblichen Einbruch des Nachfragezyklus auszulösen.“
Kabra warnte jedoch, dass die Inflationseffekte erheblich sein könnten, falls die Margen bei raffinierten Ölprodukten nicht zurückgingen. „Dann steigen die Dieselpreise, und das hat tendenziell einen Durchschlagseffekt auf die Inflation und den Dienstleistungssektor.“ Schon in der Vorwoche erreichten die Dieselpreise in den USA in der Vorwoche ein Rekordhoch. Denn die Kriege in der Ukraine und im Iran beeinträchtigen Raffinerien in Russland und im Nahen Osten. Höhere Preise könnten daher Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben.
EZB greift ein
Angesichts dieser Gemengenlage wird die EZB heute, Donnerstag, die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöhen. „Die Europäische Zentralbank wird die Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöhen, so viel steht fest“, sagt Andreas Lipkow von CMC Markets. Umso höher seien die Erwartungen an die anschließende Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde. Vor allem ihre Einschätzung zur weiteren Inflationsentwicklung dürfte die Börsenwelt dabei interessieren.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



