Spanien oder Österreich: Wer gewinnt das Wirtschafts-Match?

Wirtschaft

Beim Anpfiff ist noch alles klar: Spanien war 2010 Fußball-Weltmeister, ist amtierender Europameister und hinter Argentinien Nummer 2 der FIFA-Weltrangliste. Österreich geht als Nummer 24 der Weltrangliste als motivierter Außenseiter in das Match gegen La Roja, die Rote, wie die spanische National-Elf auch genannt wird.

Doch wie sieht es im Wirtschaftsvergleich aus? Ähnlich deutlich? Nein, die Antwort muss differenzierter ausfallen.

Spanien, noch eines der Sorgenkinder in der Eurokrise, erlebt mittlerweile ein kleines Wirtschaftswunder. Mit erwarteten 2,4 Prozent Wirtschaftswachstum gehört Spanien zu den am stärksten wachsenden EU-Ländern.

Gründe gibt es viele: Ein Tourismusrekord jagt den nächsten, heuer werden 100 Millionen Gäste erwartet. Die Spanier gelten auch als Vorreiter bei der grünen Energiewende. Richard Banderas, Wirtschaftsdelegierter in Madrid, nennt u. a. auch günstigen Strom oder geringere Löhne und Lohnstückkosten als Standortvorteile. Österreich kassiert daher mit lediglich 0,9 Prozent beim BIP-Wachstum den ersten Treffer.

BIP und BIP pro Kopf 1:1

Nimmt man als Wohlstandsindikator nicht das BIP, sondern das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, kann Österreich ausgleichen. Denn die durchschnittlich ärmere spanische Bevölkerung wächst wegen der hohen Zuwanderung. Das reduziert das BIP pro Kopf. Der Treffer zählt für Österreich. Dagegen wird von Spanien protestiert. 

Denn die Zuwanderung (1,2 Mio. seit 2021) ist auch eine der Stärken Spaniens, sagt WIFO-Experte Harald Oberhofer. „Das spanische Wachstum ist stark durch die Migration getrieben. Viele Zuwanderer kommen aus Lateinamerika, haben dieselbe Sprache und Geschichte, was die Integration enorm erleichtert. Dadurch gibt es in Spanien auch keinen Arbeitskräftemangel. Ob am Bau, im Tourismus oder im Niedriglohnsektor.“

  368.948 Menschen in Österreich ohne Job: Starker Anstieg bei den Frauen

Teuerung und Defizit: Zwei Treffer für Spanien

Im weiteren Spielverlauf gibt es Chancen auf beiden Seiten. Bei der Inflation hatte Spanien lange Zeit die Nase weit vorn – heuer schrumpft der Abstand auf 3,0 Prozent zu 3,2 Prozent in Österreich. Das zählt als Tor für Spanien. Auch beim Budget: Die teuren Anti-Inflations–Maßnahmen der linken Regierung unter Pedro Sanchez haben das spanische Defizit erhöht, es liegt aber mit 2,4 Prozent weit unter den 4,0 Prozent Österreichs.

Arbeit und Schulden: Zwei Treffer für Österreich

Nach der Pause kommen die Österreicher motiviert aus der Kabine und können mit einer geringeren Arbeitslosenrate aufholen. Das empfinden die Spanier neuerlich als unfair. Denn in Österreich steigt die Arbeitslosigkeit, in Spanien ist sie auf den niedrigsten Stand seit 2008 gesunken. Doch Tor ist Tor. Ähnlich bei der Staatsverschuldung: Sie steigt in Österreich auf 84 Prozent, in Spanien sinkt sie auf unter 100 Prozent. Der Treffer zählt für Österreich. Mittlerweile herrscht Gleichstand: 3:3

Verlängerung: Börse, Mieten

Es geht in die Verlängerung. Die Wiener Börse hat 2025 mit einem Plus von 45,4 Prozent den höchsten Gewinn seit 2005 erzielt, doch die Börse von Madrid war noch besser unterwegs: Plus 49,3 Prozent. Das Match scheint verloren.

Österreich kann in allerletzter Sekunde mit dem sozialen Wohnbau punkten. In Spanien herrscht ein enormer Mangel an leistbarem Wohnraum. Ausgleich! Die Entscheidung fällt beim Elfmeterschießen. Nervenkitzel pur …

…read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 2 times, 2 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.