
Die Finanzierbarkeit der globalen Folgen des Klimawandels, wie extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen, werde für die Erstversicherer immer schwieriger, konstatiert Hartwig Löger, CEO der börsenotierten Vienna Insurance Group (VIG). Diese versichern zwar ihre Risiken bei den internationalen Rückversicherungen weiter, doch das Solidaritätsprinzip müsse breiter aufgestellt werden, da der Risikoausgleich auch für die Rückversicherer schwieriger werde.
Beispielsweise schließen meist nur jene Haushalte eine Katastrophendeckung ab, die in einem durch Hochwasser gefährdeten Gebiet liegen. Diese sogenannte Risikogemeinschaft ist dann allerdings zu klein, da das Risiko auf zu wenige Versicherte aufgeteilt wird.
Löger plädierte am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten für ein stärkeres Solidaritätsprinzip, heißt, die Verteilung des Katastrophenrisikos auf eine breitere Basis. Eine Variante wäre ein obligater Zuschlag zur Feuerversicherung für Eigenheime. Pro Versichertem würde sich die Prämie nur um einige Euro erhöhen, doch durch die hohe Anzahl an Versicherten könnten Schäden breit abgedeckt werden.
„Leidensdruck steigt“
Die heimische Versicherungswirtschaft hatte ein solches Modell bereits 2024 nach den enormen Schäden durch das Sturmtief „Boris“ vorgeschlagen, fand bei der Politik aber kein Gehör. Nun könnte der steigende „Leidensdruck durch den Klimawandel“ angesichts der Dürreschäden ein Umdenken bewirken, hofft Löger. Die Schäden für die weltweite Versicherungsbranche durch Naturkatastrophen würden seit zwei Jahrzehnten deutlich steigen und Klimaforscher kein Ende dieser Entwicklung absehen, im Gegenteil.
Löger ortet ein Föderalismusproblem. Es sei nicht ganz unverständlich, dass Landeshauptfrauen und -männer lieber die Mittel aus den Katastrophenfonds direkt verteilen. Doch die Katastrophenfonds der Länder würden Extremwetter-Schäden angesichts der angespannten Budgets auf Dauer nicht mehr finanzieren können.
Der Chef von Österreichs größtem Versicherungskonzern spricht sich gegen eine Versicherungspflicht aus. Doch es müsse das Bewusstsein geschaffen werden, dass auch Haushalte betroffen sein können, die in nicht gefährdeten Gebieten liegen. So sei eine Wohnung im städtischen Gebiet im sechsten Stock nicht durch Hochwasser gefährdet, könne aber durch ein Erdbeben zerstört werden.
Er halte es für richtig, dass die Regierung beim Dürre-Hilfspaket für die Bauern nicht den Katastrophenfonds angezapft hatte. Wer sich versichere (im Fall der Landwirtschaft bei der Hagelversicherung), dürfe nicht schlechter gestellt werden als Betriebe ohne Versicherung. Der Katastrophenfonds sollte nur einspringen, wenn Schäden nicht mehr versicherbar seien.
Pensionssystem
Beim Pensionssystem ortet Löger mit dem von ÖVP–Bundeskanzler Christian Stocker vorgeschlagenen Zukunftsdepot einen „Schritt in die richtige Richtung“ und ein „gutes Symbol“. Ebenso wie die Änderungen bei der betrieblichen Vorsorge.
Das staatliche Umlageverfahren sei zwar eine gute Basis, müsse aber durch betriebliche und private Vorsorge erweitert werden, argumentiert Löger. Es sei ein großes Missverständnis, dass die Österreicher im Umlageverfahren für ihre eigene Pension in die Sozialversicherung einzahlen würden. „Die Aktiven zahlen nicht für sich selbst ein, sondern für die Pensionen der bestehenden Pensionisten“.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



