Infineon-Chef zu Milliarden-Investition in Kärnten: „Wir müssen Produkte schnell in den Markt bringen“

Wirtschaft

1,1 Milliarden Euro will der deutsche Chip-Konzern Infineon bis 2034 in seinen Villacher Standort investieren. Dort soll die weltweit erste Großfertigung von Halbleitern aus Galliumnitrid (GaN) auf 300-Millimeter-Wafern entstehen. Sie sollen deutliche Verbesserungen bei der Energieeffizienz etwa von KI-Rechenzentren, Solaranlagen oder Ladelösungen in der Elektromobilität bringen. 

Die Technologie sei in Österreich entwickelt worden und soll nun von Villach aus für den Weltmarkt produziert werden, sagte Infineon-Konzernchef Jochen Hanebeck bei der Bekanntgabe der Investitionsentscheidung Dienstagfrüh in Wien. Der KURIER hat ihn im Anschluss dazu befragt.

Welche Gründe waren für Infineon ausschlaggebend, in Österreich zu investieren?
Jochen Hanebeck: Für uns gab es drei Aspekte. Die Kompetenz der Mitarbeiter, die Skalierung von Fabriken, die idealerweise eine gewisse Größe haben sollten, weil viele kleine Fabriken in der Halbleiterindustrie nicht viel bringen. Und wir brauchen auch einen gewissen Ausgleich. 

Sie sprechen die Förderungen an. Sie bekommen 319 Millionen Euro an Mitteln von der österreichischen Bundesregierung aus dem europäischen Chips Act. Wie wichtig war das?
Sie sind kein kompletter Ausgleich, aber ein gewisser Betrag. Die Halbleiterindustrie ist extrem kapitalintensiv. Sie finden keine andere Industrie, die jedes Jahr fast 30 Prozent ihres Umsatzes investiert. Andere Länder fördern aber noch viel stärker. 

Viele Unternehmen aus der Mikroelektronikbranche haben zwar ihre Forschung in Europa und auch in Österreich, Großserien werden aber anderswo produziert. 
Es kommt auf die Produkte an. Bei den Leistungshalbleitern ist die Nähe zwischen Entwicklung und Fertigung extrem wichtig, weil das gesamte Know-how in den Fertigungsschritten steckt. Galliumnitrid ist ein Beispiel, wo es eine hohe Symbiose zwischen Entwicklung und Fertigung gibt. Einen Mikrocontroller können Sie hingegen in Österreich entwickeln, aber bei den großen Fertigern in Taiwan, Singapur oder auch in Dresden produzieren lassen.

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In Österreich werden von der Industrie immer wieder hohe Energie- und Lohnkosten ins Treffen geführt. Haben die für Sie keine Rolle gespielt? Werden die durch das gute Forschungsökosystem kompensiert?
Die hohen Kosten sind genauso in Deutschland ein Thema. Der Anteil der Stromkosten ist an den Entstehungskosten der Chips nicht sehr groß. Die Lohnkosten sind ein Faktor. Wir müssen das über Produktivität und Geschwindigkeit in der Innovation ausgleichen. Wir müssen die Produkte auch schnell in den Markt bringen. Auch das hat uns zu der Entscheidung gebracht, in Villach zu investieren. 

Die Fertigung in Villach wird jetzt für die neue Technologie adaptiert?
Die Geschwindigkeit ist ein großer Vorteil. Wenn man erst eine neue Halle baut, dann vergehen erst einmal zwei bis drei Jahre, bis die steht. Wir sehen die Opportunität, vorhandene Fertigungsflächen umzubauen. Das geht deutlich schneller. 

Die neuen Galliumnitrid-Halbleiter werden von Infineon nur in Villach gefertigt?
Galliumnitrid auf 200 Millimeter fertigen wir auch in Malaysia. Die Zukunft gehört aber der 300-Millimeter-Fertigung.

Die Abnehmer sind global?
Die Halbleiterindustrie ist ein Posterchild der Globalisierung. Über die vergangenen 20 bis 30 Jahre haben sich immer einzelne Firmen in einzelnen Ländern auf bestimmte Themen konzentriert und immer für den Weltmarkt produziert. Eine solche Fabrik könnten wir niemals für Österreich und auch nicht für Europa bauen.

In welchen Bereichen werden die Chips zum Einsatz kommen?
Applikativ wird KI ein starker Abnehmer dieser Galliumnitrid-Chips sein. Sie kommen auch bei Solaranlagen, bei Ladegeräten für Elektroautos und in der Robotik …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

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