Teure Zeiten, volle Lokale: Warum die Österreicher weiter konsumieren

Wirtschaft

Ohne Reservierung in ein Lokal zu gehen – das ist ein Risiko. Jetzt zur Ganslzeit, aber auch generell. Die Schanigärten sind selbst bei den kühleren Temperaturen bis zum letzten Sonnenstrahl randvoll. Die Cafés florieren, obwohl der Cappuccino mittlerweile um die sechs Euro kostet – für die pflanzliche Milchalternative wird gerne ein Aufpreis von 50 Cent veranschlagt. Bestellt wird er dann trotzdem, nur die zweite Runde wird vielleicht eingespart. Alles ist so teuer geworden. Der innere Kompass sagt einem: Zeit, sich einzuschränken. Doch irgendwie sagt er es nicht laut genug.

Wo überall munter konsumiert wird

Obwohl sich die Inflation immer noch nicht bei ihrem langjährigen Standard-Maß von zwei Prozent eingependelt hat, wird fleißig konsumiert. Das zeigt der Blick in jeglichen Lebensbereich.

Zu Halloween rechnet der heimische Handel mit 80 Millionen Euro Zusatzumsatz. Ausgegeben werden sie für Süßigkeiten oder Dekoration. Für Selbstoptimierung geben die Österreicher neuerdings laut Consumer Check des Handelsverbands 65 Euro pro Monat aus. Investiert wird in Nahrungsergänzungsmittel oder Sportbekleidung.

Der Wintertourismus rechnet nach mehreren starken Saisonen auch im kommenden Winter mit dem nächsten Nächtigungsrekord. Vor allem Silvester und die Semesterferien wären bereits gut gebucht. Die Entwicklung aus dem Sommer setzt sich fort – dort stand der Urlaub am Meer oder in den Bergen für 94 Prozent fix im Kalender. Nur das durchschnittliche Urlaubsbudget wurde minimal um 44 Euro verringert.

Auch Autozulassungen in Österreich freuen sich über Wachstum. Von Jänner bis September 2026 gab es bei Pkw im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 12,1 Prozent.

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Trotz der vielen Ausgaben steigt das Finanzvermögen in Österreichs Haushalten. Erstmals wurde laut Oesterreichischer Nationalbank die Marke von einer Billion Euro überschritten.

Österreichische Haushalte sind vermögender geworden, teilte die Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger mit, wobei anzumerken ist, dass das Vermögen stark konzentriert ist. Die Sparquote ist indes etwas geschrumpft – auf einen immer noch hohen Wert von 9,7 Prozent. „Die nominalen Einkommen der Haushalte sind gesunken“, erklärte Stiftinger. „Die Österreicherinnen und Österreicher haben mehr konsumiert und weniger gespart.“ Leben die Österreicher aktuell also über den Verhältnissen?

Man kann es sich leisten

Helmut Hofer, Ökonom am Institut für Höhere Studien (IHS), sagt klar: „Nein, wir übernehmen uns nicht.“ Die Rezession in Österreich sei eigentlich vorbei, das Wachstum sei verhalten. Dass die Sparquote leicht zurückgegangen ist, bezeichnet Hofer als notwendig, um den Konsum aufrecht halten zu können. Denn stark gewachsen wäre dieser nicht. „Einkommen wachsen zwar, aber durch die hohe Inflation und internationale Preisschocks (z. B. hohe Ölpreise, Anm.) werden Realeinkommen stagnieren bis zu leicht schrumpfen.“

Dass die Urlaube dennoch gebucht, die Autos gekauft werden, erklärt der Ökonom u. a. durch den Sparpolster, der sich in den vergangenen Jahren angehäuft hat. „Sich einschränken bedeutet nicht, auf den Urlaub zu verzichten, sondern dort einen Kaffee weniger zu trinken.“ Die vollen Gasthäuser erklärt Hofer u. a. mit dem Wirtshaussterben. „Vor allem am Land sperren immer mehr zu, die wenigen Gasthäuser, die noch da sind, sind voll.“

Dass nicht alle ihren Standard bei gestiegenen Lebenshaltungskosten aufrecht halten können, ist offensichtlich. Sozialmärkte verbreiten sich in urbanen Räumen, die Nachfrage steigt drastisch. „Die hohen Preise belasten, weil sie oft Bereiche treffen, die …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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