Allianz-Chef: „Österreich könnte etwas dynamischer sein“

Wirtschaft

Seit Jänner 2025 leitet Daniel Matić die Allianz Österreich und ist von Wien aus für weitere Märkte in Zentral- und Osteuropa zuständig. Aufgrund dieser Funktion und bisherigen Tätigkeiten kann er die verschiedenen Länder vergleichen und erklärt im KURIER-Interview, wo Österreich seiner Meinung nach steht.   

Sie sind nun schon fast zwei Jahre Chef von Allianz Österreich. Wie unterscheidet sich aus Ihrer Sicht  dieser Standort  von anderen Ländern, in denen Sie tätig waren?

Jeder Standort oder jedes Land hat  seine Spezialitäten. Man muss zuerst einmal verstehen, wie das Land tickt und wie die Gesellschaft funktioniert, um dann seine Schlüsse daraus zu ziehen. Österreich ist ein spezieller Markt im Vergleich zu Deutschland, das  auch deutlich größer ist. Da laufen Dinge natürlich deutlich anders, vielleicht auch ein bisschen leistungs- und prozessorientierter.  Auch in Südosteuropa sind die Märkte  etwas dynamischer. Das ist  auch historisch bedingt, weil die Wirtschaft in diesen Märkten von einem niedrigeren Niveau kommt. Das hat natürlich seine Vorteile, weil man Dinge schneller ändern kann. 

Was sind Österreichs Besonderheiten?

Österreich hat die Stärke, ein sehr stabiler und wirtschaftlich starker Markt zu sein – und eine natürliche Positionierung als Hub in Zentraleuropa. Österreich könnte manchmal etwas dynamischer sein. Das ist vermutlich auch der Saturiertheit geschuldet – in Märkten, die sich noch stärker entwickeln, ist der Antrieb für Veränderung naturgemäß größer. Was nicht bedeutet, dass es hier nicht erhebliche Möglichkeiten gibt. Ich glaube sogar, dass das oft unterschätzt wird. Und eine besondere Stärke liegt gerade in der Vielfalt: Österreich ist deutlich heterogener, als man annimmt – kein geografisch großes Land, aber mit vielen regionalen Besonderheiten, die echtes Potenzial bieten. Und sowohl geografisch als auch kulturell bietet Österreich, besonders Wien,  viele Möglichkeiten.

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Und politisch betrachtet, wie lautet da Ihre Einschätzung?

Da habe ich noch keine große Einschätzung. Aber man sieht natürlich ähnliche Themen, ähnliche Diskussionen wie in Deutschland. Man dreht sich immer um die gleichen Themen, Reformen beiziehungsweise Reformunfähigkeit und Reformwilligkeit. Welche Themen geht man an, ohne jemandem etwas wegzunehmen? Das sind die grundsätzlichen Themen, die jemand, der neu in Österreich ist, relativ schnell erkennt. Und man könnte sich dabei politisch mehr auf die positiven Elemente fokussieren, die es durchaus gibt. Aber natürlich müsste sich die Politik auch an Reformen wagen. 

Geben Sie ein Beispiel.

In vielen osteuropäischen Ländern, Kroatien zum Beispiel, hat man sehr frühzeitig, vor circa 20 Jahren, bei der Pension stärker auf die zweite und dritte Säule gesetzt als in Österreich. Und man hat natürlich jetzt schon signifikante Assets für die zukünftigen  Pensionäre akkumuliert. Und  in Österreich kämpft man jetzt damit, das Thema  zu stärken.  Man müsste sich überlegen, wie  man es schafft,  den privaten Sektor viel stärker in die Gesundheits- und Pensionsentwicklung einzubauen, in einer smarten Art und Weise natürlich. Denn der demografische Wandel ist da, den kann man nicht verneinen. 

Sie haben das Wort Hub genannt. Wie sehen Sie Österreichs Rolle bezüglich Osteuropa? Die Allianz ist ja auch in Osteuropa tätig.

Für uns ist das die perfekte Position. Es ist ja nicht zufällig, dass wir Wien ausgewählt haben. Ich würde sagen, Wien ist das Herz  und hat  die notwendige Infrastruktur, um …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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