
Die Umgangsformen im ORF werden grober. Das zeigt eine weitere Episode im Zusammenhang mit den internen Untersuchungsberichten. In einige konnten Stiftungsräte, wie in deren letzten Sitzung von Neo-Chefin Ingrid Thurnher gefordert, vor dem Wochenende Einsicht nehmen.
Genau das wollte ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber beim Compliance-Bericht zu seinem früheren Führungsverhalten mit Klage und Antrag auf Einstweilige Verfügung verhindern – der KURIER berichtete.
Schöber pocht in dem Zusammenhang auf seine Persönlichkeitsrechte und traut wohl der Verschwiegenheitsverpflichtung von Stiftungsräten wie auch jener beim neuen Transparenzbeirat nicht so ganz. Das Gericht räumte jedenfalls dem ORF für eine Antwort eine zweitägige Frist ein, in der der allerdings Fakten schuf. Fraglich ist, ob sich das Gericht diesen Schachzug des ORF gefallen lässt.
Vorwürfe
Gegen Schöber waren im Herbst 2024 eine Vielzahl von Vorwürfen anonym gestreut worden. Höhepunkt waren behauptete antisemische Äußerungen, was von verschiedensten Seiten, etwa von der früheren Direktorin des Jüdischen Museums, Danielle Spera, als „absurd“ zurückgewiesen wurde. Trotzdem soll sich der Vorwurf, dem Vernehmen nach, im Compliance-Bericht finden. Die Anschuldigungen kochten damals sieben Wochen nach der Entlassung eines ORF-III-Betriebsrats hoch. Diese Entlassung wurde vom Betroffenen über zwei Instanzen beim Arbeits- und Sozialgericht Wien bekämpft. Sie ist seit letzter Woche rechtskräftig.
Für die Entlassung eines Betriebsrats braucht es neben schwerwiegenden Verfehlungen auch die Zustimmung des Arbeits- und Sozialgerichts. In der Sache ging es u. a. um eine nicht gemeldete eigene Firma, nicht gemeldete Nebenbeschäftigungen, die Einnahmen über dem ORF-III-Einkommen brachten, oder auch Pflichtwidrigkeiten beim Home Office.
Anonymität
Klar festgestellt wurde, dass die Entlassung nichts mit der Betriebsratstätigkeit zu tun hatte. Das Gericht würdigt im Urteil aber auch Schilderungen von Mitarbeiterinnen zum schlechten Betriebsklima und zum Arbeitsdruck sowie den rauen Umgangston des Geschäftsführers. Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hatte damals die weisungsfreie und unabhängige Compliance-Stelle mit der Prüfung betraut. Für den Bericht hatten zahlreiche Beschäftigte unter Zusicherung absoluter Anonymität vorgesprochen – nicht alle gegen Schöber. Verfasst wurde der Bericht ausschließlich für die ORF-Generaldirektion – dieses Versprechen wurde nun gebrochen.
Auch Schöber hat den Bericht, der ihn betrifft, bisher nicht einsehen können, wie es heißt.
Als Konsequenz für das „teilweise problematische Führungsverhalten“ musste der ORF-III-Gründungsgeschäftsführer eine Teil-Entmachtung bei Personal und Programm hinnehmen. Er entschuldigte sich bei den Mitarbeitern und absolvierte Coachings und Sensibilisierungstrainings. Weißmann setzte Anfang 2025 in einer Aussendung den Schlussstrich, er gehe davon aus, dass „es ab sofort zu keinerlei Führungsfehlverhalten kommt“.
Schöber gehört, wie auch die kaufmännische Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz, zu den absoluten Spitzenverdienern im ORF. Anders als zum Anlasszeitpunkt fordert die FPÖ – und nicht nur sie – zwischenzeitlich Schöbers Rücktritt.
Hintergrund könnte hier allerdings sein, dass Schöbers Vertrag noch länger läuft, während bei Zierhut-Kunz, wie es heißt, das Vertragsende nahe ist. Laut den Strache-Chats ist sie seit den 1990er-Jahren FPÖ-Mitglied. Sie gilt als eherne Personalreserve für den Fall einer ORF-Reform nach blauen Vorstellungen und ist auch entsprechend selbstbewusst. Für die nächste Geschäftsführung, die Mitte Juni gekürt und 2027 antreten wird, könnte die ORF-III-Führungs- und Gehaltssituation aber auch ein Grund sein, die Integration in die ORF-Struktur umzusetzen. Das hieße, wie bei den anderen Sendern, ein Channel-Management, aber keine eigene Geschäftsführung (und Kosten) mehr. Für Aufregung wäre dann erneut …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



