
Am Anfang stand ein Meme. Donald Trump vor göttlichem Strahlenkranz, gütig die Hand auf den Kopf eines Kranken legend – das war dem Vatikan zu viel. Dass der US-Präsident Donald Trump sich von der KI zum Messias krönen ließ und das Bild dann auch noch höchstselbst in seinem hauseigenen Social-Media-Dienst verbreitete, brachte das ohnehin schon gut gefüllte Fass in Rom zum Überlaufen.
Seit die USA mit Leo XIV. ihren ersten Papst stellen, ging es mit den traditionell guten Beziehungen steil bergab. Zunächst, weil Trump es seiner eigenen Allmacht zugeschrieben hatte, dass aus dem allzu linken Kardinal Robert Prevost überhaupt der Stellvertreter Gottes auf Erden werden konnte. Danach kanzelte der Präsident den neuen Papst auch noch als „schwach“ ab – er hatte schließlich gewagt, Trumps Einwanderungspolitik und den Irankrieg zu kritisieren.
Praktizierender Katholik
Bereinigen sollte diese Misere nun Marco Rubio. Trumps Außenminister gilt in dessen Team als ideologisch nicht so festgefahren wie sein Chef und dessen Stellvertreter J. D. Vance, darum eignet er sich für den Bußgang bestens. Dazu ist er – im Unterschied zu Trump – praktizierender Katholik, was die Gespräche wohl auch erleichtert. Vor dem Treffen hinter verschlossenen Türen gestand Rubio jedenfalls ein, dass „einige Dinge vorgefallen seien“, die Reise aber nicht wegen des Eklats geplant worden sei – die Vorbereitungen dafür liefen schon länger.
Das ist insofern überraschend, als dass beim Souverän des Vatikans eigentlich immer gern Staatenlenker selbst vorstellig werden – wird jemand neu angelobt, wird auch gleich um Audienz angesucht. Trump hat das nicht getan, und seit wann das Außenministerium schon beim Vatikan anklopft, ließ Rubio unbeantwortet. Aufklärung lieferte dafür Rom: „Dieser Besuch entstand aus einer Krise heraus und soll deren Folgen bewältigen“, sagte ein Kirchenvertreter zu Politico – eine letzte Spitze vor dem Treffen.
Der Disput zwischen Trump und Rubio hat jedenfalls auch im Trump Lager für Unzufriedenheit gesorgt: In den jüngsten Umfragen goutierten die Wähler Trumps Ausfälle dem Pontifex gegenüber gar nicht. Gläubige Katholiken gehören zur Kernwählerschaft des Präsidenten, und die Aussichten für die Midterms sind ohnehin mau.
Geschenk des Friedens
Rubio veröffentlichte nach dem Treffen ein gemeinsames Foto und schrieb dazu: „Treffen mit dem Papst, um unser gemeinsames Engagement zur Förderung von Frieden und Menschenwürde zu unterstreichen“. Leo XIV. wiederum schenkte Rubio eine Schreibfeder aus Olivenholz. „Das ist die Pflanze des Friedens“, wird der Papst zitiert.
Auf eine mögliche Annäherung zwischen dem Papst und dem US-Präsidenten US-Regierung angesprochen, sagte nach dem Treffen der vatikanische Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, es sei „noch verfrüht“, über ein mögliches Telefonat zu sprechen. Der Papst sei jedoch „für alle Optionen offen“ und habe sich „nie jemandem verweigert“.
Source:: Kurier.at – Politik



