
An manchen Stellen geht es um übel riechende Leichen und Fliegenschwärme, allein deshalb darf man sagen: Der 15. Tag im Pilnacek-U-Ausschuss ist eine Zumutung – in vielerlei Hinsicht.
Heute ist Hannes F. geladen. Er ist ein muskulöser Mann, gestärktes Hemd, schwarzes Sakko. Der Kopf rasiert, der weiße Bart akkurat gestutzt.
F. ist Mord-Ermittler. Er hat mehr als 500 Morde aufgeklärt, prominente Mörder wie Jack Unterweger und Elfriede Blauensteiner überführt. F. liebt seinen Job. Das ist auch der Grund, warum er in seiner fast fünf Stunden weilenden Befragung mitunter emotional wird.
Amtsmissbrauch
Der Polizist soll vom 20. Oktober 2023 erzählen. An diesem Tag wurde Christian Pilnacek tot in der Donau gefunden. Und der Tag hat F.s Leben auf den Kopf gestellt. Gegen ihn und seine Kollegen wurde ermittelt – wegen Amtsmissbrauchs; die Polizisten wurden als Dilettanten verlacht. F. gab seinen Job auf, dient nun im Ministerium. Und er musste Prozesse führen, um seinen Ruf wiederherzustellen.
F. ist leitender Mordermittler und war als solcher mit der Causa Pilnacek betraut. Im Parlament will er einiges zurechtrücken. Zu keinem Zeitpunkt habe die Polizei auch nur ein einziges Anzeichen für „Fremdeinwirken“, also für Mord oder Totschlag, gehabt. Alles andere seien „Verschwörungstheorien“.
Um zu zeigen, wie klar die Sache für die Polizei vor Ort war, erwähnt F. erneut die Fakten, die schon am Vormittag vorlagen: Da waren die Ereignisse vor dem Tod, also: die betrunkene Geisterfahrt und die Führerscheinabnahme, die massive Konsequenzen für Pilnacek bedeutet hätten – bis zum Job- und Pensionsverlust.
Da war das Verhalten in der Nacht in Rossatz: Pilnacek sprach kaum, trank weiter, ließ alles Persönliche im Haus und ging ohne Licht, Schlüssel und Handy zum Donau-Ufer. Da war der Fundort, an dem sich bis auf die Spuren des Sektionschefs und Zigaretten nichts fand. Da waren Leichnam und Kleidung, die nicht den geringsten Hinweis auf eine Straftat enthalten haben.
Obduktion
Die Obduktion, sagt F., habe man lediglich zur Absicherung erledigt, um die Todesursache einzugrenzen – es sei aber nie um Fremdverschulden gegangen.
Und weil die Sache für alle Beteiligten so klar gewesen ist, habe man Handy, Laptop und alle anderen Gegenstände nie als Beweismittel, sondern als Gegenstände eines tragisch zu Tode gekommenen betrachtet, die den Angehörigen für die Verlassenschaft zu übergeben sind.
An manchen Stellen erzählt F. eindringlich von seiner Arbeit. Etwa, dass Polizei-Ärzte fehlen, die – im Unterschied zu niedergelassenen Ärzten – kein Problem mit schwierigen Fundorten haben. „Wenn eine Leiche im Sommer bei 35 Grad Celsius vier Tage in einer Wohnung liegt, kommen dir 100.000e Fliegen entgegen“, sagt F. Der Geruch sei entsprechend.
Falsches Licht
Das große Thema des Ermittlers ist aber eigentlich ein anderes. Denn obwohl er nach vielen Monaten des Prozessierens recht bekommen hat, und obwohl die Justiz alle Ermittlungen gegen ihn und seine Kollegen wegen Amtsmissbrauchs eingestellt hat, bleibt eine große Kränkung: Es seien nach wie vor geradezu „absurde Verschwörungstheorien“. „Die Polizei ist in ein völlig falsches Licht gestellt worden. Es wird gehetzt, wir werden als schlampig, inkompetent und willfährige Parteisoldaten hingestellt.“ Das sei falsch und absurd. „Und der Image-Schaden für die Polizei ist immens.“
Source:: Kurier.at – Politik



