Drei Wochen ohne Handy: Weniger Depressionen, besserer Schlaf

Politik

Markus Michelitsch will gar nicht lange herumreden: „Ja, man fällt in alte Muster zurück, und ja: Es ist verdammt schwer, auf das Smartphone zu verzichten.“

Vor ziemlich genau zwei Monaten war Michelitsch drei Wochen lang ohne sein Handy unterwegs. Der Pädagoge ist Direktor am GRG23 in Wien-Liesing. Und wie  600 andere Schulen, so nahmen auch im GRG23 zwei Klassen am „Handy-Experiment teil“. Die Schüler verzichteten bei dieser Aktion drei Wochen auf das Smartphone, und damit drei Wochen lang darauf, ständig auf Soziale Medien zuzugreifen. Michelitsch war ebenfalls dabei, er adaptierte die Anordnung geringfügig, indem er ein Tasten-Handy besorgte – damit er zumindest telefonieren und SMSen kann.

Der KURIER durfte damals eine Klasse des GRG23 journalistisch begleiten. Und die anekdotischen Ergebnisse waren bemerkenswert. Unterm Strich berichteten viele Schüler, sie hätten plötzlich deutlich mehr Tagesfreizeit und würden sich physisch entspannter, besser fühlen; manche berichteten, besser zu schlafen. Auch Direktor Michelitsch hat an sich selbst und in der Schule diese positiven Effekte beobachten können. Das Problem ist nur: „Zwei Monate später ist man wieder zurück im alten Medien-Verhalten.“

Was schade ist, denn: Die zuträglichen Effekte des Smartphone-Verzichts sind empirisch erwiesen.

46.000 der insgesamt 72.000 Teilnehmer haben im Zuge des Handy-Experiments an Testungen teilgenommen, die der Sucht-Experte Oliver Scheibenbogen vom Wiener Anton-Proksch-Institut nun ausgewertet hat. Im Detail werden die Ergebnisse am Mittwoch im Rahmen der Dok-1-Dokumentation „Handyexperiment“ (ORF, 20:15 Uhr) zu sehen sein. Die wesentlichen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

Weniger Depressionen

Zu Beginn des Handy-Entzugs gaben 58 Prozent an, leichte bis mittelgradige Symptome einer Depression zu verspüren. 8 Prozent mittelgradig schwere und 3 Prozent schwere Symptome einer Depression. Nach drei Wochen ist der Anteil jener, die keine Depressionen haben, um etwa 15 Prozent gestiegen. Die leichten bis mittelgradigen Symptome einer Depression sind um ca. 10 Prozent gesunken. Und auch bei den schweren Depressionen hat es einen Rückgang von 2,9 auf 1,7 Prozent gegeben.

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Weniger Ein- und Durchschlafstörungen

Die Ein- und Durchschlafstörungen haben sich um mehr als 20 Prozent verringert. Für Experte Scheibenbogen ist dieser Wert beachtlich und zeigt: Es braucht keine Medikamente, um den Schlaf zu verbessern. Es genügt, auf das Handy zu verzichten.

Besseres psychisches Wohlbefinden

Drei Wochen ohne Smartphone bringen eine deutliche Verbesserung des psychischen Wohlbefindens: Das allgemeine Wohlbefinden stieg um 18 Prozent, und das besonders deutlich in jener Gruppe, die komplett auf das Handy verzichtet hat.

Mehrheit für Social Media Verbot

Fast zwei Drittel der Schüler sprechen sich für ein Social-Media- Verbot aus. Bis zum 12. Lebensjahr befürworten es 20 Prozent, bis zum 13. Lebensjahr 17 Prozent und bis zum 14. Lebensjahr ebenfalls 20 Prozent.

Wie und wann es dazu kommt, ist noch offen – die Bundesregierung arbeitet gerade an einem Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige.

Direktor Michelitsch vom GRG23 wünscht sich das schon seit Langem.  Er würde das Gymnasium gerne zur handyfreien Zone erklären. „Bisher werde ich aber vor allem von Eltern und Schülern skeptisch beäugt“, sagt er. Aber demnächst ist wieder SGA-Ausschuss. „Da werde ich die Idee wieder einbringen.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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