Soziologin: „Singles werden ein bisschen bemitleidet“

Wirtschaft

Alleinstehende sind nicht nur einem größeren finanziellen Druck ausgesetzt, sondern auch gesellschaftlichen Erwartungen. Noch immer gilt die Paarbeziehung für viele als Ideal eines erfüllten Lebens. Oder verändert sich dieses Bild allmählich? Soziologin Barbara Rothmüller forscht an der Sigmund Freud PrivatUniversität zu Gesundheit  Gender, Sexualität – und hat Antworten.

KURIER: Single-Sein ist teuer, das ist ein klarer Nachteil. Aber bleibt es beim Geld – oder hat Alleinsein auch soziale Folgen?

Barbara Rothmüller: Singles werden schon ein bisschen bemitleidet. Es gibt nach wie vor die Vorstellung, dass ein erfülltes Leben eine funktionierende Paarbeziehung voraussetzt – ob diese Beziehung dann besonders glücklich ist, interessiert oft gar nicht so sehr.

Erlebt jeder Single diesen Druck gleich?

Das ist schwierig zu beantworten. Es hängt davon ab, wie alt man ist, wo man lebt und welches Geschlecht man hat. Ist man jedoch länger Single, wird es aber sicherlich nach wie vor thematisiert.

Also muss man sich als Single noch immer rechtfertigen?

Man nimmt oft an, dass „Single“ nur eine vorübergehende Phase ist. Wenn jemand hingegen länger in einer Beziehung ist, wird das meist als stabil wahrgenommen – als wären die Personen im Leben angekommen. Bei einem Single denkt man das eher nicht. Die Erwartung ist hier vielmehr, dass es langsam Zeit wird, jemanden zu suchen. Man ist da schon einem gewissen Druck ausgesetzt, sich dafür rechtfertigen zu müssen.

Gleichzeitig wird gerade viel über die sinkende Geburtenrate diskutiert. Österreich soll laut aktuellem Geburtenbarometer erneut einen Tiefstand verzeichnen: Eine Frau bekommt hierzulande durchschnittlich nur noch 1,3 Kinder.

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Frauen haben häufiger längere Ausbildungen und den Anspruch, beruflich aktiv zu werden. Es muss nicht die große erfolgreiche Karriere sein, aber ein guter Einstieg in die Berufswelt. Überall dort, wo Arbeitsverhältnisse prekär sind – etwa in unsicheren Jobs – bekommen die Leute eher weniger Kinder. Wenn man das mit der Teuerung zusammennimmt, sind das Verhältnisse, die den Kinderwunsch aufschieben können. Es gibt mittlerweile auch tolle Lebensentwürfe unabhängig von Kindern. Man hat nicht mehr das Gefühl, als Frau nur dann eine Existenzberechtigung zu haben, wenn man Mutter ist.

Ist das also auch ein Stück Befreiung vom klassischen Weg?
Aus soziologischer Sicht ist wichtig zu betonen, dass es sehr unterschiedliche Singles gibt. Es gibt Singles, die unglücklich sind und sich eine stabile, intime Langzeitbeziehung wünschen. Es gibt aber auch Singles, die aufblühen, ausgehen und ihre Sexualität explorieren. Und es gibt jene, die froh sind, in Ruhe gelassen zu werden, und auch keine Lust auf Dating haben.

Was sagt die Forschung: Wird Alleinleben selbstverständlicher?

Das Pendel schwingt einmal in die eine und dann in die andere Richtung. In manchen Ländern beobachten wir einen Rückgang von Partnerschaften und sogar von sexuellen Kontakten, zum Beispiel in Japan. Junge Menschen haben in Österreich traditionelle Werte, auch wenn sie vielleicht mit zunehmendem Alter offener werden und andere Lebensmodelle als eine romantische Paarbeziehung verfolgen. Aber diese hat noch immer einen hohen Stellenwert.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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