
Da rollten die Meereswellen, da sprudelte der Bach, da wieherte das edle Ross und der Löwe brüllte, da sangen die Vögel und es glänzte die aufgehende Sonne: All diese, und noch viele weitere, tonmalerischen Elemente hörte man in der Helmut-List-Halle bei Joseph Haydns „Die Schöpfung“ im Rahmen der Styriarte, der steirischen Festspiele.
Und ein immer wieder faszinierender Höhepunkt packte gleich zu Beginn.
Als nämlich nach der Vorstellung des Chaos und den Schlüsselworten des Chores „Es wurde Licht“ ein einfacher C-Dur Akkord, aber von solch strahlend – mächtiger Kraft, für manche der beeindruckendste der gesamten Musikliteratur, erklang, dass das Licht vor unserem inneren Auge und in den dezenten Projektionen auch sichtbar wurde.
Der sehr einfühlsame, international aufstrebende steirische, erst 30-jährige Dirigent Patrick Hahn wusste dabei die dynamischen Kontraste und Schattierungen wunderbar herauszuarbeiten. Und so wurden Haydns einprägsame Melodien vom Styriarte Festspiel-Orchester mit subtilen Tönen, mit aus dem Nichts kommenden Pianissimi bis hin zu strahlender Klangpracht mit mannigfaltigen Valeurs und großer Vitalität wiedergegeben.
Von fabelhafter Qualität waren auch die Solisten mit exemplarischer Artikulation, sodass man beinahe jedes Wort des Textes von Gottfried van Swieten, der auf John Miltons „Paradise Lost“ basiert, verstehen konnte. Bis in lichte Höhen, glasklar und koloraturensicher hörte man Tetiana Miyus als Gabriel und Eva. Mario Lerchenberger ließ als Uriel viel Einfühlungsvermögen und feine Höhen vernehmen. Nur manchmal etwas zu wenig kraftvoll aber mit balsamischer Weichheit und Wärme sang Philipp Schöllhorn den Raphael und Adam.
Stimmprächtig, exakt und homogen war der Chor der Camerata Styria (Einstudierung: Sebastian Meixner). Großer Jubel.
Source:: Kurier.at – Kultur



