
Ein Schiedsrichter hat seinen besten Arbeitstag, wenn niemand über ihn spricht. Bei der laufenden WM ist jedoch das Gegenteil der Fall: Die Unparteiischen stehen regelmäßig im Mittelpunkt – und das nicht wegen überzeugender Leistungen.
Dabei war der Fußball noch nie besser ausgestattet, um Fehler zu vermeiden. Der Videobeweis, Torlinientechnik, ein Chip im Ball und weitere technische Hilfsmittel sollen dafür sorgen, dass strittige Szenen möglichst gerecht bewertet werden. Doch trotz all dieser Unterstützung bleiben Fehlentscheidungen ein Problem. Wie kann das sein?
Die Antwort ist einfach: Am Ende entscheiden immer noch Menschen. Und wo Menschen entscheiden, passieren Fehler. Der Unterschied zu früher ist jedoch, dass ein Fehler heute nicht mehr unbemerkt bleibt. Jede Szene wird sofort analysiert, aus zig Winkeln betrachtet und weltweit diskutiert.
WM: Die besten Nationen, aber nicht die besten Schiedsrichter?
Das Problem dabei: Fehler von Schiedsrichtern bleiben nicht folgenlos. Ein falscher Pfiff kann ein Spiel entscheiden und den Verlauf eines Turniers ändern. Wie groß die Emotionen rund um solche Entscheidungen werden können, zeigte sich zuletzt zwischen Argentinien und Ägypten. Mostafa Ziko sprach nach dem Spiel von einem „manipulierten Spiel“, der ägyptische Verband legte sogar Beschwerde gegen die Entscheidungen der Schiedsrichter ein.
Neben den Entscheidungen selbst rückt auch die Schiedsrichter-Auswahl in den Fokus. Bei der Endrunde stehen unter anderem Unparteiische aus Gabun, Mauretanien, Jamaika, El Salvador oder den Vereinigten Arabischen Emiraten auf dem Platz. Diese Vielfalt spiegelt den globalen Charakter des Fußballs wider.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob bei einem Turnier mit den besten Mannschaften der Welt auch die besten Schiedsrichter der Welt eingesetzt werden sollten. Dabei geht es nicht um die Herkunft, sondern um die Frage, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt.
Viele strittige Szenen
Dass diese Diskussion nicht unbegründet ist, zeigen zahlreiche strittige Szenen. Lionel Messis Tritt mit offener Sohle gegen Algeriens Aissa Mandi blieb ohne Konsequenzen. Auch ein mögliches Foul an Xaver Schlager vor Argentiniens Führungstreffer gegen Österreich sorgte für Unverständnis. In beiden Fällen griff der VAR nicht ein.
Bei einem möglichen Elfmeterfoul an Kylian Mbappé im Match gegen Senegal schaltete sich der VAR hingegen ein. Der Schiedsrichter blieb allerdings zur Überraschung aller bei seiner Entscheidung und entschied nicht auf Strafstoß. Und auch bei der Roten Karte von Englands Jarell Quansah gegen Mexiko war der VAR maßgeblich beteiligt, nachdem der Unparteiische nicht einmal auf Foul entschieden hatte.
„Schiedsrichter schlicht nicht gut genug“
Auch Ghana sah sich benachteiligt, nachdem ein Elfmeterpfiff im Spiel gegen England ausblieb. Ghana-Trainer Carlos Queiroz reagierte deutlich: „Wieder einmal hat der VAR einen Kaffee getrunken.“ Mit seiner Kritik steht er nicht alleine da. Auch England-Teamchef Thomas Tuchel bilanzierte zuletzt: „Die Schiedsrichter sind schlicht nicht gut genug.“
Die Unparteiischen selbst können ihre Sicht während des Turniers nicht öffentlich erklären. Stellung beziehen darf nur FIFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina. Dieser hatte vor der WM gefordert, das Spiel möglichst laufen zu lassen und nicht jede Berührung sofort zu ahnden.
Hinter der Vorgabe steckt ein nachvollziehbarer Gedanke: Der Fußball soll nicht durch ständige Unterbrechungen geprägt sein. Einige Schiedsrichter setzen diesen Ansatz konsequent um – manchmal zu konsequent. Deutlich wurde das im Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay. Die Südamerikaner gingen in den Zweikämpfen …read more
Source:: Kurier.at – Sport



