Großbritannien: Dieser Mann soll neuer Premier werden

Politik

Ob Andy Burnham den Ratschlag seines Mentors vernommen hatte? Noch im September richtete Sir David Blunkett seinem langjährigen Mentee über die BBC ein berühmtes Zitat von Wladimir Lenin aus: „Timing“, soll der Revolutionär noch im Exil gesagt haben, „ist alles.“

Den Zeitpunkt hat Burnham nun jedenfalls gut gewählt. Nach zwei erfolglosen Versuchen, die Parteiführung zu übernehmen – wobei er einmal lediglich auf dem vierten von fünf Platzen landete – könnte der frühere Bürgermeister von Manchester und nunmehrige Abgeordnete von Makerfield noch vor Monatsende Großbritanniens neuer Premierminister sein.

 

Nach Keir Starmers Rücktrittsankündigung am 22. Juni wurde am gestrigen Donnerstag der Führungswettkampf der Labourpartei offiziell eröffnet. Bereits am Vorabend legte der einzig verbliebene Herausforderer – der frühere Verteidigungsminister Alistair Carns – seine Kandidatur zurück: Ein Führungsstreit, sagte er zu Sky News, sei „keine optimale Nutzung der Zeit der Labour-Partei“. Wenn die Partei die nächsten zwei, drei Jahre sinnvoll nutzen wolle, „müssen alle ins Boot steigen und in die gleiche Richtung rudern“.

(Noch) keine Gegner

Offiziell können Parteikollegen zwar noch bis 16. Juli ihr Interesse bekunden, müssen dafür jedoch die Unterstützung von 81 Labour-Abgeordneten sowie drei Gewerkschaften vorweisen können. Sollte sich bis 16. Juli niemand anderer melden, wird Burnham tags darauf zum neuen Labour-Chef ernannt und könnte bereits drei Tage später in die Nummer 10 Downing Street einziehen.

Am Ende dürfte neben seiner direkten Art und seiner Zielstrebigkeit die Fähigkeit zur Geduld entscheidend gewesen sein: Bei der jüngsten Labour-Parteikonferenz vergangenen September, als Starmers Beliebtheit bereits deutlich angeknackst war, ließ Burnham über die britischen Medien erstmals andeuten, an einem Führungswettkampf interessiert zu sein. Nachdem Starmers darauffolgender Unmut für Schlagzeilen sorgte, zog sich Burnham aber wieder zurück.

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Ein halbes Jahr später musste Parteikollege Andrew Gwynne seinen Parlamentssitz aus Gesundheitsgründen aufgeben und Andy Burnham bekundete erneut Interesse an der Landespolitik. Als Starmer daraufhin intervenierte – wohlwissend, dass Burnham ihn als Parlamentsabgeordneter herausfordern könnte – begehrte Burnham nicht auf, sondern ließ Starmers aufbrausende Reaktion einmal mehr für sich sprechen.

Doch dann fuhr die britische Labourpartei bei den Regionalwahlen im Mai eine vernichtende Niederlage ein – und Starmers Macht war gebrochen. So groß wurde der Unmut in der Partei, dass sich ein Abgeordneter bereit erklärte, sein Mandat einzig deswegen zurückzulegen, um eine weitere Nachwahl auszulösen und Burnham damit ins Parlament zu verhelfen.

Hohe Fluktuation

Dennoch sollte sich Burnham auf seiner Welle der Zustimmung nicht ausruhen: Die britische Premierschaft ist zum Spießrutenlauf geworden. Wird Burnham angelobt, wäre er der siebte Premierminister in nur einem Jahrzehnt. Keir Starmer hat sich trotz Erdrutschsieg nur zwei Jahre im Amt halten können. Die Lebenskostenkrise, notwendige Investitionen in der Verteidigung und Diskrepanzen bei den Sozialleistungen werden den neuen Premier vor budgetäre Herausforderungen stellen.

Und doch verfügt Burnham über den vielleicht entscheidenden Vorteil. Mit 34 Prozent der Bevölkerung hat Burnham mehr Unterstützung als alle anderen Parteichefs des Landes. „Er ist einer der beliebtesten und bekanntesten Politiker, die ich je kennengelernt habe“, sagte der Labour-Abgeordnete Graham Stringer unlängst in der BBC. „Ich glaube“, ergänzte Mentor David Blunkett, „seine Stärke liegt in seiner Verbundenheit mit den Menschen, die er vertritt und die ihm am Herzen liegen.“ Burnham …read more

Source:: Kurier.at – Politik

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