Warten auf ein Wunder in Jerusalem

Politik

Von Paul Vecsei aus Jerusalem

Derzeit gleicht das alte Jerusalem fast einer Geisterstadt. Während der Pandemie, nach dem Hamas-Terror des 7. Oktober 2023 sowie seit dem Krieg gegen den Iran ist der Tourismus in der Pilgerstadt zusammengebrochen. Souvenirläden sind geschlossen. Für ihre Besitzer gibt es nichts zu verdienen. Das „Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie“, eine traditionelle und beliebte Unterkunft der Erzdiözese Wien, war zwar kaum von direkten Kampfhandlungen betroffen, aber von seinen 116 Schlafplätzen bleiben wegen des Gäste-Mangels viele Betten leer.

Derzeit hat das Haus mit Kreuzgewölben, alten Kunstschätzen und Panoramasicht nur „zwölf Prozent Auslastung“, erklärt Lukas Maier, zuletzt provisorischer Leiter und Gästehausmanager. 30 Prozent bräuchte man für die Kostendeckung. „Mit 50 Prozent wären wieder Investitionen machbar.“

Nun, wo nach sieben Jahren Ebbe Rücklagen aufgebraucht sind, fürchtet er um den Fortbestand der Oase. Maier zieht sich wieder auf das Management zurück. Denn seit 1. Juli ist die Rolle des Rektors wieder in geistlicher Hand: Franz Xaver Brandmayr (70), der bisherige Wiener Neustädter Dompropst, übernimmt das Ruder und bringt gute Botschaften der Bischofskonferenz aus Wien mit:

Eine Schließung oder Verkauf des Hospizes sind „ausgeschlossen“. Man rechne vielmehr mit Renovierung. Alle hoffen auf Gottes Hilfe und „das Wunder“ der Herbstsaison.

Das Hospiz ist ein beliebter Arbeitgeber in der Stadt. In besten Zeiten verstärkten im Hospiz zwölf Zivildiener aus Österreich die Belegschaft mit heimischem Knowhow. Derzeit gibt es nur mehr drei. Sie haben in den vergangenen Monaten bei Raketenalarmen viel Zeit im hauseigenen Schutzraum verbracht und die wenigen Besucher mit Lektüre und Billardpartien abgelenkt. Der 19jährige Samuel Wallmannsdorfer: „Es war etwas apokalyptisch mit Pyjama im Schutzraum.“ Für die drei aus Österreich geht es im August wieder nach Hause. Ein Schichtwechsel steht auch hier an.

  Großbritannien: Dieser Mann soll neuer Premier werden

Das Haus befindet sich auf arabischem Gebiet der in religiösen Vierteln gewachsenen Altstadt. Die Via Dolorosa, nach christlicher Überlieferung der Kreuzweg Jesu, beginnt vor dem Eingang.

Ein Wiener Kaffeehaus mit Marmortischchen, Plüschsesseln und dunkelroten Tapeten bildet in Jerusalemer Hospiz den Kern einer besonderen Oase des Friedens.

Ein paradiesischer Garten mit Palmen, Kakteen und Zypressen umrahmt den gesamten Komplex mit 45 Gästezimmern. 1863 wurde er für Pilger der Monarchie eröffnet. 1869 machte Kaiser Franz Josef mit Gefolge persönlich auf der Reise zur Eröffnung des Suezkanals Station in „seinem“ Hospiz. Er trug schließlich auch den Titel „König von Jerusalem“.

Bis heute hängen hier Symbole und Erinnerungen daran: Unter goldenem Doppeladler mit Kaiserbildern an der Wand des Wiener Kaffeehauses haben es sich an einem Juni-Tag einige Araber, Juden und Christen an den Tischen bequem gemacht. Mit Schnitzel (aus Hühnerfleisch), Apfelstrudel und Meinl-Kaffee ist das Lokal ruhiger Treffpunkt in einer aufgeheizten Stadt religiöser und nationaler Rivalität. Hier sitzen die Gruppen zwar getrennt voneinander, aber alle besuchen gerne dasselbe Lokal. Es kann auch vorkommen, dass sich ein israelischer Soldat mit Maschinenpistole einen kühlenden Eiskaffee holt. Dann setzt es scheele Blicke, denn im Haus gilt absolutes Waffenverbot.

Einige Marmortische weiter feiert ein arabisches Mädchen in ihrem Kreis den Schulabschluss. Das Hospiz mit seinem Ambiente ist eine beliebte Eventstätte. Es bietet nicht nur friedlichen Rahmen mit besonderer Kost. Auch wunderbare Hintergrund-Motive für Erinnerungsfotos sind gefragt. Veranstaltungen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 2 times, 2 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.