Turnaround nach Milliarden-Defizit? So hoch ist das Minus von Österreichs Krankenkassen

Politik

Österreichs Krankenversicherungsträger haben ihren Abgang im Jahr 2026 gegenüber der letzten Prognose vor drei Monaten fast um die Hälfte reduzieren können. Statt minus 204,8 Mio. Euro wird in der nunmehrigen vorläufigen Erfolgsrechnung nur noch ein Defizit von 111,2 Mio. Euro erwartet. Die Prognose für die kommenden Jahre zeigt weiter nach unten, hat sich aber ebenfalls verbessert. Dachverband-Chef Peter McDonald hält weiter an einer „schwarzen Null“ als Ziel fest.

Der Blick auf die drei Krankenversicherungsträger weist der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) in dem noch immer nicht endgültigen 2026er-Ergebnis nun ein Minus von 151,5 Mio. Euro aus (zuletzt -217,8). Bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) wird nun ein Verlust von 65,1 Mio. Euro erwartet (vor drei Monaten noch -102,7). Dafür erwartet die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS), die als einzige Kasse positiv bilanziert, einen etwas geringeren Gewinn von 105,4 statt 115,6 Mio. Euro für 2026.

Auch die Vorschaurechnung sieht nun besser aus, auch wenn die Kurve weiter steil nach unten zeigt. Über die drei Träger hinweg wird 2027 ein Minus von 188,2 Mio Euro (statt 427,4) erwartet, 2028 -406,0 Mio Euro (statt -684,5), 2029 -681,5 (statt -1.006,3) und 2030 -855,8 Mio Euro (statt -1.127,8).

Vom Milliardendefizit Richtung Turnaround

McDonald, in diesem Halbjahr turnusmäßig Chef des Sozialversicherungs-Dachverbands und Dienstgebervertreter in der ÖGK (wo er immer in der ersten Jahreshälfte in den Vorsitz rotiert), zeigt sich stolz darauf. „Wir haben hart daran gearbeitet, vom Milliardendefizit in Richtung Turnaround zu kommen“, sagte er zur APA. „Es ist ja unser Job, als selbstverwaltete Führung der Versicherungsgemeinschaft sicherzustellen, dass wir nicht mehr ausgeben, als wir an Geld zur Verfügung haben. Das passiert nicht aus Selbstzweck, sondern aus Verantwortungsbewusstsein und um den medizinischen Fortschritt für alle weiterhin zugänglich zu machen.“ Dadurch sei es gelungen, die vor eineinhalb Jahren für 2026 befürchteten Verluste – damals wurde ein Abgang von über einer Milliarde Euro prognostiziert – um neun Zehntel senken zu können.

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Dass die Zahlen besser werden, hat für McDonald keineswegs mit Prognoseirrtümern in der Vergangenheit zu tun, sondern mit gesetzten Maßnahmen im Kassenbereich, etwa Gehaltsabschlüssen unter der Inflation, der Streichung von 300 Dienstposten in der ÖGK oder der Reduktion von Verwaltungsflächen. Man sei aber auch bei Leistungen strenger geworden, etwa bei Krankentransporten und eingeführten Selbstbehalten. Nicht zuletzt kämen aber auch Abschlüsse mit den Vertragspartnern zur Geltung, die niedriger als erwartet ausgefallen seien. Und auch der um 0,9 Prozentpunkte erhöhte Krankenversicherungsbeitrag für Pensionisten habe sich ausgewirkt.

„Brauchen eine ausgeglichene Gebarung“

Dies alles sei vor dem Hintergrund einer herausfordernden Wirtschaftslage geschehen, und es werde weitere Kraftanstrengungen brauchen. „Wir brauchen eine ausgeglichene Gebarung, nicht zum Selbstzweck, sondern für zukünftige Generationen“, so McDonald. Herausforderungen seien hier die Alterung mit höherer Inanspruchnahme der Medizin, aber auch der medizinische Fortschritt, der zu finanzieren sei. Dies erfordere zusätzliche Maßnahmen auch aus dem aktuellen Gesundheitsreformprozess. Es gehe etwa um die Häufigkeit von Arztbesuchen und die Spielregeln für die Patientenlenkung, aber auch um neue Versorgungsformen außerhalb der Spitäler.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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