Hoffenheim-Trainer Ilzer: „Ein Coach muss kein Philosoph sein“

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Christian Ilzer sitzt im Fumoir des Hotels Nidum in Mösern und blickt über das Inntal. In Tirol, so erzählt er, habe er seinerzeit den bizarrsten Abgang seiner Trainerlaufbahn erlebt. Als er mit der Wiener Austria 2019 im Cup in Wattens mit 2:5 unterging und die Fans tobten. „Nach dem Match haben mich vier Polizisten zum Bus begleiten müssen.“

Darüber kann Christian Ilzer heute genauso schmunzeln wie über seine schwierige Anfangszeit bei der TSG Hoffenheim, die fast mit dem Abstieg aus der Bundesliga und seinem Rauswurf geendet hätte. 

In der vergangenen Saison führte der Steirer den Verein dann sensationell auf Rang 5 und in die Europa League. Der KURIER traf Christian Ilzer im Trainingslager in Seefeld.

KURIER: Nur drei Trainer in der deutschen Bundesliga sind heute länger im Amt als Sie. Was sagt uns das? 

Christian Ilzer: Das zeigt nur wieder einmal, was der Job als Fußballtrainer mit sich bringt und wie unberechenbar dieses Geschäft ist. Es geht oft sehr schnell zwischen himmelhochjauchzend und den Tränen.

Auch Ihr Stuhl hat zwischenzeitlich ziemlich gewackelt.

Ich glaube, ich hatte einige Endspiele. Wir waren im Eck, als ich im November 2024 zu Hoffenheim gekommen bin. Es ist nur darum gegangen, den Verein irgendwie in der Liga zu halten. Und glauben Sie mir, das war nicht einfach. Dieses erste Dreivierteljahr hat sportlich nach außen nicht gut ausgesehen, aber wir haben in dieser Zeit schon viele Dinge in die Wege geleitet, damit es dann in der letzten Saison so gut gelaufen ist. Es war eine Herausforderung, mitten in der Saison einen neuen Verein zu übernehmen.

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Vor welchen Problemen sind Sie gestanden?

Das war das erste Mal in meiner Trainerkarriere, und ich muss zugeben: Das ist ein ganz anderer Job. Es macht einen Unterschied, ob du eine lange Vorbereitung hast, in Transfers eingebunden bist und das Team formen kannst, oder ob du von heute auf morgen mitten in der Saison einsteigst. Wobei ich grundsätzlich eine Devise habe, wenn ich einen Job antrete: Die ersten 100 Tage gehe ich volles Risiko. Da braucht es sehr schnelle und klare Entscheidungen, die sicher nicht immer ohne Nebengeräusche passieren. Aber da hat mir die Zeit bei der Austria geholfen.

Inwiefern?

Bei der Austria habe ich gelernt, dass ich es aushalten kann, wenn es einmal nicht so läuft und von allen Seiten Druck kommt. Das hat mir in Hoffenheim geholfen, dass ich in der Hinsicht nicht völlig unerfahren war. Natürlich kommt das in der Bundesliga noch einmal in einer anderen Wucht daher, aber es geht vor allem um eines: Wenn du selbst nicht in der Balance bist, dann wirst du auch kein guter Coach sein.

Sie haben mit dem fünften Platz die Latte sehr hoch gelegt. Müssen Sie den Verein jetzt erden?

Für mich als Trainer gilt die Devise: Man darf schon groß denken, aber man muss auch bereit sein, den tagtäglichen Preis dafür zu zahlen und die richtige Arbeitsmoral zu entwickeln. Du darfst nicht nur von Erfolgen träumen, sondern musst auch ein Konzept haben, wenn es einmal nicht funktioniert und wenn es schwieriger ist. Der Weg ist mit Blut, Schweiß und Tränen belegt.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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