Frequency: Warum diese Rapperin das Publikum so spaltet

Kultur

„Pippi Langstrumpf auf Partydroge“ wird sie von ihrer eigenen Agentur genannt. Das kommt nicht von ungefähr, denn nicht nur ein Song der deutschen Rapperin Ikkimel (29) befasst sich mit den Vorzügen von Ketamin. Da wäre einmal ihr erster Hit „Keta und Krawall“ aus dem Jahr 2023 („Keta und Krawall, meine Nase ist wund, Titten sind prall und mein Arsch ist rund“). Im Video zum Song „Galopp“, einer Kooperation mit dem Wiener Kollegen Bibiza, heißt es zu Beginn zwar „Stop taking Ketamine, leave it to the horses“, im Text selbst kriegen die Pferde aber eher wenig von der Substanz ab.

Und erst vor Kurzem hat Ikkimel „Miss Universe“ veröffentlicht. Hier rappt sie mit dem „Espresso-Macchiato“-Song-Contest-Helden Tommy Cash und brüstet sich in einer Zeile „Verstöre sie im MoMa, voll auf Ketamin“. Da geht es nicht um das Museum of Modern Art, sondern um das „Morgen-Magazin“ im deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ZDF. In dieser Sendung hatte Ikkimel einen Auftritt während der Fußball-WM. Sie wurde mit ihrem Song „Fußballmänner“ eingeladen und sorgte dort für einen milden Eklat.

Explizite Texte

„Verstört“ hat sie ein Publikum, das mit ihr bisher so wenig in Kontakt gekommen ist wie mit Partydrogen und eventuell auch schon sehr lang nicht mehr mit Partys. Denn die Zielgruppe von Ikkimel ist deutlich jünger als der durchschnittliche ZDF-Frühfernsehen-Konsument. Gut, es waren auch ziemlich junge Gäste im Studio, die vier Mädchen, von denen drei eher verwirrt und eine hoch entzückt schauten, waren dann wohl wieder zu jung für die doch recht expliziten Texte der Rapperin.

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Wobei gerade „Fußballmänner“ („Fußballmänner, alles Penner, Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker, Lattenkracher, Mertesacker, Tiki-Taka in ’nem Tanga“) vergleichsweise harmlos ist für Ikkimels Verhältnisse, die sich zu Beginn ihrer Karriere vorstellte mit der Songzeile: „Mein Sternzeichen ist Fotze und mein Aszendent Bitch“.

Und genau seit diesem Moment polarisiert die deutsche Musikerin. Für sie gibt es Attribute wie Männerhasserin, Abtreibungsrapperin, Provokationsfeministin oder subversiv-emanzipatorisches Kunstprojekt.

Doggy Style

Ihre Musik, ein Mix aus Elektro, Technobeats und Rap, kommt jedenfalls an: Sie hat allein auf Spotify zwei Millionen Hörerinnen und Hörer. In ihren Videos lässt sie sich auch mal nackt im Doggy Style mit Flüssigkeiten übergießen. Auf dem neuen Album „Poppstar“ geht es hauptsächlich um Sex, mit Männern, mit Frauen, am Strand, im Auto. Ikkimel nimmt sich das Generalrecht aufs Grapschen, sie hat hohe Ansprüche an Genital-Ausmaße, sie nennt sich die „Deep Throat Queen“.

Die einen finden das niveaulos, die anderen sagen: Sie macht nichts anderes, als männliche Rapper seit eh und je machen, da regt es keinen auf. Die einen lieben sie, weil sie für Selbstermächtigung im Patriarchat steht, die anderen (etwa Alice Schwarzer) sind erzürnt, weil sie mit dem übermäßig benutzten Wort „Fotze“ „ihre eigene Erniedrigung auch noch feiert“.

Pop-Phänomen der Gen Z

Mit bürgerlichem Namen heißt dieses Pop-Phänomen der Gen Z Melina Gaby Strauß, stammt aus Berlin-Tempelhof, woraus sich auch ihr Künstlerinnenname speist (ein keckes Kofferwort aus Berlinerisch Icke für ich und ihrem ersten Vornamen). Vor der Rapkarriere studierte sie Germanistik und arbeitete in einem Labor für Gehirn- und Sprachforschung.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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